Tag 296 - Lyoner Wurst und Traboules

1. März 2019

Heute sind wir zu Gast in Lyon - ob hier wohl die Lyoner Wurst herkommt? Wir werden es herausfinden. Unser Tag beginnt aber zunächst um Ufer der Loire und das recht früh am Morgen. Die örtliche Müllabfuhr ist schon zeitig auf den Straßen unterwegs und durch das rumpeln um uns herum werden wir pünktlich zum Sonnenaufgang wach. Nach einer stärkenden Tasse Kaffee sitzen wir auch schon im Fahrerhaus und schlängeln uns durch die Kleinstädte bis nach Lyon. Der Campingplatz liegt außerhalb im Stadtteil St-Genis-Laval und kommt leider recht preisintensiv und wenig charmant daher. Aber gerade in Städten ist die Auswahl ja meist recht gering, so dass wir den Wohlfühlfaktor hinten anstellen und es von der praktischen Seite sehen. Um in die Stadt zu kommen nutzen wir heute den Bus, denn fürs Fahrrad ist es dann doch etwas zu kalt bei kühlen 10 Grad. Unsere erste Herausforderung ist es allerdings die Haltestelle zu finden. Einen Stadtplan zu lesen müssen wir wohl also noch ein bisschen üben :-)

 

Nach 20 Minuten sind wir auch schon in der Mitte der dritt größten Stadt Frankreichs angekommen. Die Flüsse Saône und Rhône treffen sich hier in dieser Stadt und so kreuzen wir zunächst die eine oder andere Brücke. Nach dem wir der Cathédrale Saint-Jean-Baptiste einen kurzen Besuch abgestattet haben, laufen wir noch ein paar Meter weiter entlang der Rue Saint-Jean. Die alten Häuser mit den wunderbaren Holztüren aus vergangenen Zeiten lassen uns in eine andere Zeit eintauchen. In einem Hauseingang entdecken wir auch schon das erste Highlight, für welches Lyon bekannt ist. Traboules sind kleine versteckte Fußgängerwege die hauptsächlich in den Stadtteilen Vieux Lyon und Croix Rousse gefunden werden können. 400-500 Traboules sollen zwischen verschiedenen Gebäuden verborgen sein und in manchen Passagen gibt es wohl noch das ein oder andere verborgene Geheimnis. Traboules wurden im 4. Jahrhundert entwickelt und von Einheimischen, Seidenwebern und der französischen Widerstandsbewegung genutzt, um sich vor der Gestapo zu versteckten. Diese Wege im Verborgenen erlaubten es damals zum Beispiel Tücher und Stoffe vor dem Regen geschützt zu transportieren und wurden im Alltag auch schlichtweg als Abkürzungen genutzt. Außerdem lagen den offiziellen Behörden nicht immer exakte Pläne der Traboules vor. Dies wurde bei Aufständen in den 1830er Jahren ebenso wie von Widerstandskämpfer der Résistance während des zweiten Weltkriegs genutzt. So konnten große Strecken versteckt vor den Augen der Deutschen Besatzer zurückgelegt werden. Oftmals enden die kleinen Wege auch in sehr schönen alten Hinterhöfen. Die alten Stadthäuser in diesem Viertel sind zum teil mehrere hundert Jahre alt und strahlen diesen alten Charme auch aus, toll!

 

In den kleinen Straßen reiht sich ein niedliches Geschäft ans andere und die dargebotenen Leckereien lassen die Rue Saint-Jean herrlich duften. Und schon bleiben wir wieder am nächsten Fenster stehen und staunen nicht schlecht was unsere Augen da erblicken. Das Restaurant „La Nef Des Fous“ sieht so wunderbar anders aus, dass wir kurzerhand an der geschlossenen Tür anklopfen. Tatsache öffnet uns eine ältere Dame die Tür und bittet uns herein. Das Restaurant ist unglaublich bunt, mit Dekoration gefüllt und so unglaublich individuell. Kein Stuhl gleicht dem anderen, nichts passt zusammen, jeder Tisch ist anders gedeckt, die Dekoration ist keineswegs günstig, es sind gesammelte Antiquitäten. Das Highlight ist eine offene Badewanne, welche als Aquarium dient. Auch wenn erst am Abend geöffnet wird so kommt die Dame unserer Bitte nach einem Foto nach und wir kommen ins Gespräch. Sie erzählt das Lyon einst eine reiche Stadt war und ein Dreh- und Angelpunkt zur Zeit der Seidenstraße. Die Gebäude aus der Renaissance haben es ihr angetan und sie liebt diese Stadt von Herzen. Dieses Herzgefühl versucht sie auch in ihr im Restaurant zu übertragen und es ist ihr und ihrem Sohn auf jeden Fall gelungen. Ein richtiges Fundstück. Ein 3-Gang-Menü gibt es ab 29,00 Euro und es wird die traditionelle Französische Küche zelebriert. 

 

Nach ein paar weiteren Kilometer durch die 2000 Jahre alte Stadt treten wir langsam die Rückreise zum Campingplatz an und wärmen uns auf der Busfahrt erstmal wieder richtig auf. Auch wenn es nur ein recht kurzer Besuch der Stadt war, so empfanden wir unsere Zeit hier ausreichend. Hier jagd nicht ein Highlight das nächste, aber die Stadt lässt einen in vergangene Zeiten reisen, was wir als sehr angenehm empfunden haben. Ach und eine Sache muss ja noch aufgeklärt werden. Woher kommt die Lyoner Wurst? Natürlich aus Lyon, nur dass sie hier Cervelas heißt. 

Tag 297 bis 301 - Für einen Boxenstopp nach Deutschland

2. - 6. März 2019

Nach unserem Abschied aus Lyon nähern wir uns mit großen Schritten der deutschen Grenze. Da das Wetter in den vergangenen Tagen sehr windig und regnerisch war, verbrachten wir die meiste Zeit im Wohnmobil und widmeten uns ein wenig der Büroarbeit. Wir hatten Glück und fanden auf unserer Durchreise nach Deutschland noch 2 sehr schöne Freistehplätze in Frankreich, bei welchen wir Gott sei Dank auch mit Strom versorgt wurden. So konnten wir heizen, alle Geräte laden und es uns im Wohnmobil gemütlich machen. An einem Abend klopfte es plötzlich an der Tür und wir wurden zu einem leckeren Glas Sekt aus der Region eingeladen. Die Betreiber des kleinen Freistehplatzes sind in der Holzindustrie tätig und die Verwandtschaft im Weinbau. So sitzen wir nun an einem großen runden Tisch, neben uns 2 Pärchen aus dem Elsaß, welche zum Glück Deutsch sprechen und etwas übersetzen können. Eine sehr gemütliche Runde am Abend.

 

Wir haben es tatsächlich fast geschafft komplett ohne Maut durch Frankreich zu reisen. Nur am Ende hatten wir etwas die Nase voll von den vielen Kreisverkehren und sind das letzte Stück auf der Autobahn gefahren. Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, ist man hier nicht ganz so genau mit der Ladungssicherung. Im Allgemeinen sind die Straßen in Frankreich aber doch sehr gut ausgebaut und man kann wunderbar auch ohne Maut durch das Land reisen. Die Benzinpreise sind allerdings doch etwas überzogen. Für einen Liter Diesel kann man gut und gerne schonmal 1,60 Euro zahlen, puh... 

Als wir uns der Grenze zu Deutschland nähern, lassen wir die vergangenen 2 Wochen im Zentrum Frankreichs Revue passieren und ziehen ein Fazit. Leider wurden unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt. Verwöhnt von der Bretagne, der Provence und Normandie, hatten wir malerische Dörfer, Burgen und die feine französische Lebensart erwartet. Doch dies ist in der Region um Narbonne, Toulouse, Abil, Saint-Étienne und Lyon eher nicht der Fall. Es ist Alles etwas rauer, wenig malerisch, die Ortschaften sehen ärmlicher aus und so richtiges Wohlfühlklima kam bei uns nicht auf. Auch bei einem Abstecher an die Loire, welche für ihre Flusskreuzfahrten bekannt und beliebt ist, sprang der Funke bei uns nicht über. Vielleicht lag es auch an der Jahreszeit. Denn zugegebenermaßen war es oft grau und im Winter sehen die meisten Landschaften doch eher trist aus. Nichtsdestotrotz gehört Frankreich zu unseren absoluten Lieblingsländern und es war sicher nicht unser letzter Besuch in der Grande Nation. Merci France - à bientôt!

Nach 10 Monaten im europäischen Ausland überqueren wir nun den Rhein und fahren in Baden-Württemberg ein. Wow, wir sind sogar etwas aufgeregt. Unsere Route führt uns zunächst nach Bad Krozingen, wo wir Annes Großeltern besuchen werden. Zunächst aber steuern wir einen Supermarkt und einen Baumarkt an, es gibt so einige Dinge, welche wir dringend benötigen. Vor allem auf das gute deutsche Brot freuen wir uns wie Bolle. Nachdem Sören in Portugal das letzte mal beim Friseur war und mit einer 9mm Frisur zurückkam, wollte er unbedingt erst wieder in Deutschland zum Friseur, Männer! Gesagt, getan und was soll man sagen, er hat sich bestimmt schon 10 mal im Spiegel bewundert ;-). Spiegeln  Spiegeln an der Wand - wer ist der Schönste im ganzen Land? Am Abend besuchen wir dann die Vita Classica Therme in Bad Krozingen. Viele unterschiedlich temperierte Becken laden hier, innen und außen, zum relaxen ein. Bei 36 Grad Wassertemperatur in der blauen Kuppelhalle bekommt Sören dann auch endlich die seit langem vermisste Badewanne, einfach herrlich. Wir relaxen noch etwas im Kaminzimmer und ziehen uns dann in unser gemütliches Zuhause auf Zeit zurück. Der Besuch der Therme lohnt sich, das Tagesticket kostet allerdings happige 16 Euro. In den nächsten Tage werden wir über den Schwarzwald bis in die Pfalz reisen. Nach einem Besuch in der Heimat, werden wir unsere Tour fortsetzen, es geht also weiter - seit gespannt auf die kommenden Wochen. 

Tag 302 - Das Tor zum Schwarzwald 

7. März 2019

Nach einem sehr schönen gemeinsamen Abend mit Annes Großeltern Bärbel und Peter sowie Tante Sibylle und Onkel Tom, beschließen wir heute nach Freiburg im Breisgau zu fahren. Die südlichste und sonnigste Großstadt Deutschlands ist das Tor zum Schwarzwald und soll mit seinen niedlichen Gassen und den Bächle besonders sehenswert sein.

 

Wir haben uns wie immer einfach treiben lassen und sind von Gasse zu Gasse geschlendert. Wie auch in vielen anderen Altstädten gibt es hier viele Restaurants, kleine individuelle Shops, Cafés und liebevoll sanierte Häuser. Besonders beliebt sind die Gerberaustraße und die Konviktstraße. Beide reizen mit charmanten Häuserfassaden, coolen und hippen Stores und versprühen ein unheimlich gemütliches Lebensgefühl. Durch die vielen Studenten erscheint das Stadtbild recht jung und dynamisch. Nicht umsonst wählt die Wirtschaftswoche die Stadt immer wieder unter die Top 15 in Deutschland. Berlin liegt übrigens abgeschlagen auf Platz 36, auf Platz 1 thronte 2018 die Stadt München.

Neben dem Schwabentor, welches im 13. Jahrhundert zum Schutz der Bevölkerung innerhalb der Wehranlage der Stadt errichtet wurde, sind wohl die Freiburger Bächle das eigentliche Wahrzeichen der Stadt. Sie laufen knapp 15,5 Kilometer durch die Gassen der Altstadt (6 Kilometer davon unterirdisch). Damals waren sie für die Versorgung mit Brauchwasser und als Abwasserkanäle gedacht. Heute werden die kleinen Kanäle speziell an heißen Sommertagen für eine kurze Abkühlung genutzt. Schnell mal die Füße in dem klaren Wasser abgekühlt und schon lassen sich auch die heißesten Tage ertragen. Ebenso sind sie Austragungsort des einzigartigen Bächleboot-Rennens, Schauplatz blutiger Kriminalromane und heimtückische Falle für Singles. Denn wer aus Versehen ins Bächle "dappt", so heißt es, muss einen Freiburger oder eine Freiburgerin heiraten. 

Wen der Hunger treibt, der sollte einmal in der Markthalle vorbeischauen. Ziemlich modern, kulinarisch vielfältig und bei lebendiger Stimmung, bieten hier viele kleine Pop-Up Stores Köstlichkeiten aus der Region und aus aller Welt an. Wir finden die Kombination aus Tradition und kulinarischer Vielfalt spitze und ebenso lecker. Nach einer kleinen Stärkung besuchen wir noch den Freiburger Münster und bedanken uns für einen regnerischen aber durchaus gelungenen Tag in Freiburg - einer sehr schönen Stadt mit viel Ambiente und Charisma. 

Tag 303 - The German Schwarzwald Experience

8. März 2019

Es war einmal ein sonniger Tag im Schwarzwald. Im tiefen dunklen Wald war der Ruf des Kuckucks zu hören. Oma saß derweil mit einem klebrigen Stück Sahnetorte auf der altbackenen Couch und schaute sich eine Folge der Schwarzwaldklinik an, in der mal wieder dramatisches passierte. Es war so spannend, dass sie glatt vergaß den Kuchen zu essen und die volle Gabel 2 Zentimeter vor dem geöffneten Mund in der Luft hielt. Als die Spannung kaum noch auszuhalten war, sprang mit einem Mal der Kuckuck aus der Uhr, so wie er dies zu jeder vollen Stunde tat, und das Stück Sahnetorte landete auf dem Teppich. Genau so stellt man sich doch einen Nachmittag im Schwarzwald vor, oder? 

 

Unser Ziel für heute lautet Bad Dürrheim - doch unterwegs machen wir einen Stop am Titisee. Schlechtes dem, der an dieser Stelle böses denkt :-) Wir wollen eine Runde um den See drehen und parken an einem Campingplatz. Wer hier parken möchte muss sich anmelden und so stehe ich ein wenig später im Restaurant des Platzes. Die Rezeption wurde gerade zur Mittagspause geschlossen und nun sitzt das ganze Team im Restaurant am Tisch und spielt Karten, um genau zu sein Skip-Bo. Die Sympathie ist gleich hergestellt, da dies auch unser Lieblingsspiel ist und Tatsache sehen sie von den Parkgebühren ab und lassen uns kostenlos parken. Top!

 

Der Weg am See ist relativ unspektakulär bis auf den Schnee. Der ein oder andere Schnellball fliegt durch die Luft und die Trefferquote scheint bei Sören aus irgendeinem unerklärlichen Grund höher zu sein als bei mir. Komisch! Im Ort Titisee herrscht derweil reges Treiben. Überall locken Souvenirgeschäfte mit den typischen Schwarzwaldprodukten. Natürlich stehen die Kuckucksuhren hoch im Kurs und auch wir schauen uns die lustigen Uhren mal aus der Nähe an. Der fachkundige Berater im Geschäft erzählt uns viele Details zu den handgemachten Schnitzkunstwerken. Je kleiner die Uhr um so heller ruft der Kuckuck. Bei größeren Uhren ruft der Kuckuck schon merklich tiefer und auch die Anzahl der Pendel hat eine Bewandtnis. Denn hat die Uhr 2 Pendel ruft nur der Kuckuck - bei 3 Pendeln wird zusätzlich noch eine Melodie abgespielt. Mit Sicherheit sehr nett, doch wenn man bedenkt, dass dieses Spektakel zu jeder halben und vollen Stunde stattfindet, so sollte die Anzahl der Pendel mit Bedacht gewählt werden. Der Uhrenverkäufer jedenfalls hört das Klickern und Klackern schon gar nicht mehr und erzählt, dass es eine beruhigende Wirkung hat. Nun ja, jeder wie er es mag. Die Gruppen der asiatischen Gäste füllen die Läden und nicht selten kommen sie mit einer gut gefüllten Tüte wieder aus dem Geschäft. Schwarzwaldschinken, Schwarzwaldhonig, Schwarzwaldschnaps, Schwarzwald überall. Man hat sich sehr gut auf das Klientel aus Asien eingestellt und so gibt es sogar Designerkleidung namhafter Hersteller, Luxusuhren und unverschämt teure Handtaschen in diesem kleinen Ort. Selbst die Werbeschilder hat man in die passenden Landessprachen der asiatischen Besucher übersetzt. So wird aus einer einfachen Ausfahrt die German Schwarzwald Experience. Wir begnügen uns mit der Miniversion der Kuckucksuhr in Form eines Magneten und treten wieder unseren Rückweg um den See herum an. 

 

Der Winter ist in Deutschland ja noch in vollem Gange und wir machen uns zu unserem kuschligen Plätzchen für heute auf. Der Reisemobilhafen Bad Dürrheim bietet zusätzlich zur Übernachtung einen kostenfreien 3 stündigen Aufenthalt in der Solemar Therme an. Eigentlich dachten wir an einen kleinen und gemütlichen Stellplatz für ein paar Wohnmobile. Als wir ankommen zählen wir allerdings über 100 Wohnmobile, Wahnsinn! Aber gerade an einem grauen und regnerischen Tag ist so eine Therme genau das richtige für uns. So lassen wir uns kurze Zeit später im warmen Wasser des Solebeckens treiben, vergessen aber auch nicht den sportlichen Aspekt und nehmen am Aqua Fitness teil. Zugegebenermaßen sind wir hier die jungen Hüpfer in der Gruppe, einen mächtigen Spaß macht es aber allemal. Danach atmen wir in der Salzgrotte tief ein und genießen das türkische Dampfbad - Honig für die Seele. So geht ein schöner Tag, mit 4 Grad Außentemperatur zu Ende und wir kuscheln uns ein. 

Tag 304 - Mystische Stimmung am Blindensee

9. März 2019

Das Wandern ist des Müllers Lust - und heute auch unsere. Auch wenn das Wetter heute stürmisch, grau und regnerisch ist, hält es uns Naturburschen natürlich nicht davon ab, ein Stück des Schwarzwaldes zu Fuß zu erkunden. Direkt nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Dieser führt uns heute durch tiefe Wälder hinweg zum Blindensee. 

 

Dort angekommen parken wir in der Nähe des Küferhäusles, welches sich genau 1000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. Der Wind peitscht uns ins Gesicht und nach Monaten der Sonne in Spanien und Portugal holen wir unsere Mützen und Handschuhe mal wieder raus. Im Wald angekommen geht es schon wesentlich entspannter daher, da die Bäume den Wind förmlich auffangen. Der Schwarzwald ist wirklich beeindruckend dicht und dunkel, einfach mystisch. Wir genießen die Wanderung durch den weißen Schnee und entdecken nach 3 Kilometern die Holzbohlen, welche uns über das Hochmoor zum Blindensee führen. Um diesen kleinen See ranken sich viele Sagen und Mythen. Eine davon lautet: „Noch im Mittelalter war man davon überzeugt, dass alle auf der Erde zu findenden Gewässer durch ein weit verzweigtes Höhlensystem und einen unterirdischen Ozean miteinander verbunden sind. Ein Bauer soll mit seinem Ochsengespann ins Hochmoores geraten sein, unterwegs dem Kirschwasser etwas reichlich zugesprochen haben und auf dem Kutschbock eingeschlafen, zieht der Bauer den falschen Zügel und versenkt so sein Fuhrwerk im Moor. Drei Tage später sollen sich Bauer und Ochsengespann in der Nähe von Kehl am Rhein wieder eingefunden haben.“ 

 

Der See ist zu dieser Jahreszeit an vielen Stellen mit Eis und Schnee bedeckt und befindet sich in mitten eines Naturschutzgebietes. So heißt es in einem 2010 erschienenen Reiseführer über den See: „Mystischer Spiegel, geheimnisvolles Auge, verwunschenes Tor zur Anderswelt – das waren die Beschreibungen, die die Besucher noch vor kurzem fanden. Doch die berühmte Szenerie ist leider zerstört: Ein riesiges Windrad ragt über den See auf und peitscht mit seinen lärmenden Rotorblättern jede besinnliche Stimmung nieder.“ Schade eigentlich, aber Tatsache haben wir es genau so empfunden. Trotzdem eine sehr schöne Wanderung, welche wir übrigens mit Hilfe unserer Komoot App gefunden haben. 

 

Nach der Wanderung gönnen wir uns ein Schälchen Heeßen (Sächsisch für Kaffee) und fahren gestärkt weiter durch den Schwarzwald. Eigentlich wollten wir noch Deutschlands höchste Wasserfälle in Triberg besuchen. Nachdem wir aber minutenlang einen Parkplatz gesucht haben und dann auch noch feststellen mussten, dass man für die Wasserfälle 10 Euro Eintritt zahlen soll, entscheiden wir uns gegen einen Besuch. 

 

Um nach Bad Peterstal-Griesbach unserem heutigen Ziel zu gelangen, führt uns unser Navi entlang entlegener Straßen. Der Regen prasselt auf der Fahrt gegen die Scheibe, die Bäume wippen im Wind und die Wolken klettern das Tal hinauf. Was für eine einzigartig mystische Stimmung. Gerade bei schlechtem Wetter entfaltet der Schwarzwald einen einzigartigen Charme. Wasserfälle, Schluchten, Seen, Wälder, Wildnis, Wiesen – die Landschaften im Schwarzwald sind verwöhnt von einer einzigartiger Fülle und Vielfalt. Das größte und höchste deutsche Mittelgebirge begeistert uns - schade nur, dass die nächsten Tage sehr regnerisch werden sollen. 

Tag 305 bis 306 - Deep in the Woods, The German Lapland

10. - 11. März 2019

Die Nacht war wirklich stürmisch und auch sehr nass, der Regen prasselte nur so auf unser Wohnmobil ein und die Heizung lief die ganze Nacht. Der für den Morgen vorhergesagte Schnee blieb dafür aber aus - Glück gehabt! Nach dem Mittag zieht der Himmel dann endlich auf und wir können unsere Reise durch den Schwarzwald fortsetzen. Sören ist total von der Tiefe der Wälder begeistert und es kommen Erinnerungen an unsere Zeit in Lappland, Finnland auf. So weit das Auge reicht nur Wald, tiefer dunkler Wald. 

 

Wir fahren weiter in Richtung Norden und besuchen die Allerheiligen Wasserfälle sowie das verfallene frühgotische Kloster. Von Bergen eingeschlossen, wurde es im Jahre 1196 von der Herzogin von Schauenburg gestiftet. Der Sage nach ließ sie, um einen Platz zur Erbauung des Klosters zu finden, einen Esel mit Geld bepacken und seines Weges gehen. Da wo der Esel seinen Sack voller Geld ablegen würde, da sollte das Kloster erbaut werden. Auf der Höhe, wo jetzt noch der Eselsbrunnen mit einem Monument des Esels steht, schlug das gute Tier mit seinem Huf auf den Boden und eine frische Quelle rieselte hervor. Er löschte seinen Durst daran und ging weiter bis zur Bergkuppe, auf welcher heute die Kapelle steht. Hier wurde ihm wohl der schwere Sack mit Geld zu lästig und er warf ihn ab. Er rollte hinunter bis an das Ufer des Nordbachs und der Ort für die Erbauung war gefunden. Das ehemalige Kloster, welches zeitweilig auch Wallfahrtsort war, wurde 1657 zur Abtei erhoben und 1802 von Markgraf Karl Friedrich von Baden verstaatlicht. Im Jahre 1804 wurde das Kloster vom Blitz getroffen und weitgehend zerstört. Die Ruinen sind schön anzusehen und erinnern uns an die Tintern Abbey in England. 

 

Die Allerheiligenwasserfälle wurden erst 1840 erschlossen. In mehreren Stufen stürzt der Lierbach insgesamt 90 m tief hinab. Ein Rundwanderweg führt vom unteren Parkplatz über Holzbrücken und Treppenstufen durch die Schlucht zum Kloster Allerheiligen und dann über den Roßgrund zurück zum Ausgangspunkt. Ein wirklich lohnender kleiner Rundweg. Das es der letzten Nacht stark geregnet hat, stürzen Unmengen an Wasser nach unten ins Tal. Überall sind kleine Wasserfälle zu finden, welche sich ihren Weg durch den Wald bahnen - ein wirklich toller Anblick. 

 

Unser Weg führ uns weiter entlang der Schwarzwaldhochstraße, welche wirklich ein absolutes Highlight unseres Besuches im Schwarzwald ist. Hinter jeder Kurve verbirgt sich ein neues Panorama. Es dauert nicht lange und wir kommen am Mummelsee an. Im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel, kommt dieser heute eher trist daher. Es weht ein unfassbar starker Wind und es dauert nicht lang bis wir reisausnehmen. Wir verlassen die Schwarzwaldhochstraße und fahren ca. 900 Höhenmeter hinunter nach Sasbachwalden, wo wir eine ruhige Nacht verbringen. 

 

Bonjour France heißt es am nächsten Tag. Ja ihr hört richtig, wir machen noch einmal einen kurzen Abstecher nach Frankreich. Da in Deutschland das Datenvolumen extrem teuer ist, entscheiden wir uns für einen kleinen Umweg nach Frankreich und nutzen die abgeschafften Roaming Gebühren. Danach statten wir dem Campingausstatter Fritz Berger einen Besuch ab und besuchen am Nachmittag die Wachtenburg Winzer in Wachenheim. Ein langer aber schöner Tag neigt sich dem Ende entgegen. Morgen fahren wir nach Römerberg, wo wir auf Tante Maja und Onkel Kay treffen, mit welchen wir einen kleine Mittelrheinrundfahrt unternehmen werden. 

Tag 307 bis 309 - Über Römerberg nach Rüdesheim

12. - 14. März 2019

Unsere Reise führt uns heute nach Römerberg zu Maja, Kay und Jessy. Wer uns aufmerksam gefolgt ist, dem sind diese Namen schon bekannt. Ja genau, die Drei haben uns spontan in Paris besucht und wir verbrachten im goldenen Herbst 2 tolle Tage in der Stadt der Liebe. So goldig wie das Wetter jedoch damals war, ist es hier in der Pfalz aktuell leider nicht. Die eigentlich schöne Gegend kommt eher grau daher und immer wieder gibt es heftigen Landregen. 

 

Die Wiedersehensfreude mit der Familie ist groß und wir freuen uns für die nächsten 2 Tage mal wieder ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Wir genießen alle Vorzüge eines Hauses (Waschmaschine, Geschirrspüler, warmes Wasser in Hülle und Fülle, usw.) und bedanken uns auf diesem Wege nochmal für die grandiose Gastfreundschaft. Die Abende sind oft sehr lang, was zum einen an den Hausaufgaben von Jessy liegt (bei welchen wir behilflich sind und sogar die Note 1 gemeinsam erzielen können - juhu!)  und zum anderen gibt es nach so langer Zeit auch sehr viel zu erzählen. In gemütlicher Runde vergehen die Stunden daher schnell und nach 2 Tagen in Römerberg heißt es "Koffer" packen, das zweite Wohnmobil startklar machen und schon kann es losgehen.

 

Unsere ersten Ziele sind Bingen und Rüdesheim am Rhein. Hier startet unsere kleine Rundreise entlang des Rheins und begrüßt werden wir mit herrlichem Dauerregen. Wir machen natürlich das Beste daraus, parken die Mobile direkt in Bingen und begeben uns zur Fähre nach Rüdesheim. Die kleine Stadt mit 10.000 Einwohnern ist vor allem für ihre Drosselgasse weltbekannt. Jährlich strömen 3.000.000 Besucher in die nur 144 Meter lange, 2 Meter breite und damit wohl kleinste Einkaufsstraße der Welt. Verkehrschaos ist damit eigentlich vorprogrammiert. Heute bei Dauerregen und 10 Grad haben wir die Gasse für uns alleine - auch ein schönes Erlebnis. Da es doch recht kühl ist, kehren wir ein, trinken einen Kaffee und essen Apfelstrudel. Hier ist es jedoch wie überall an touristischen Plätzen. Der Kaffee ist geradeso genießbar, der Apfelstrudel ein Witz. Schade, aber auch das muss erwähnt werden. Lieber also etwas außerhalb der Drosselgasse ein nettes Café besuchen, da bekommt man definitiv mehr für sein Geld. Der Rückweg zur Fähre wird dann stürmisch. Es regnet Bindfäden und wir werden klitschnass. Was für ein Wetter hier in Deutschland. Da denken wir gern an die trocknen und sonnigen Tage im Süden Europas zurück. Nachdem wir einen netten Stellplatz für die Nacht gefunden haben, gibt es eine wärmende Hackfleisch-Käse-Lauch Suppe und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 310 - Bacharach, die Loreley und Lanhstein

15. März 2019

Der Mittelrhein, ein 130 Kilometer langer Flussabschnitt des Rheins zwischen Bingen und Bonn, ist eine der bedeutendsten Kulturlandschaften Deutschlands. Das Flusstal, in dem rund 450.000 Menschen leben, wird begrenzt von Hunsrück und Eifel im Westen, von Taunus, Westerwald und Siebengebirge im Osten, von der Oberrheinebene im Süden sowie von der Kölner Bucht und dem Niederrhein im Norden. Wir starten in Bingen am Rhein, was auch das Tor zum Mittelrhein genannt wird und fahren entlang des Flusses hinauf bis nach Lahnstein. Das Wetter ist zwar grau aber immerhin regenfrei, toll!

 

Unser erster Halt ist der kleine romantische Ort Bacharach. In der Stadt reihen sich viele malerische alte Fachwerkbauten aus dem 14. bis 19. Jahrhundert aneinander und berichten über die mehr als 1000 jährige Geschichte. Das Stadtbild ist geprägt von der Burg Stahleck, der gotischen Wernerkapelle und den mittelalterlichen Wehrtürmen der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Diese ist eine der am besten erhaltenen Befestigungen am Mittelrhein. Von den 16 mächtigen Wehrtürmen sind bis heute 9 erhalten geblieben. Kelten lebten hier schon, bevor die Römer kamen. Im Mittelalter war Bacharach ein wichtiger Handelsplatz für Wein und Holz. Der Bacharacher Zoll war die Haupteinnahmequelle der Landesherren. In alle europäischen Länder wurde von hier aus der hervorragende Wein verschifft und so erlangte der sogenannte 'Bacharacher' Berühmtheit weit über die Landesgrenzen hinaus. Bereits 1310 fand hier der erste Weinmarkt statt. Als wir gemütlich durch die kleinen Gassen schlendern, treffen wir zufällig auf das Weingut Karl Heidrich. Im Hinterhof wird gerade mit einer mobilen Abfüll- und Etikettiermaschiene die Scheurebe 2018 frisch in die Flasche gebracht. Ein toller Anblick und natürlich müssen wir den Wein probieren. Der Winzer verkauft uns kurzerhand eine Flasche und nach 24 Stunden Ruhezeit genießen wir den guten Tropfen.

 

Oberhalb der Pfarrkirche Peter gibt es einen herrlichen Ausblick auf das Wahrzeichen der Stadt, den Ruinen der Wernerkapelle und auf das Rheintal - der kleine Aufstieg lohnt sich. Das „Alte Haus“ im Zentrum von Bacharach wurde 1568 erbaut und ist eines der schönsten alten Fachwerkhäuser im Ort. Aber um ganz ehrlich zu sein, jede Ecke dieser Gemeinde ist absolut sehenswert. Wir hätten noch Stunden durch die engen Gassen schlendern können. Selten haben wir solch einen gut erhaltenen und zu dieser Jahreszeit auch nicht überlaufenen Ort entdeckt. Für uns ein absoluter Geheimtipp. 

 

Nachdem wir die Loreley passiert haben geht es weiter in Richtung Lahnstein, wo wir die kommende Nacht verbringen werden. Bevor wir es uns gemütlich machen geht es allerdings noch einmal sportlich zu. Wir wollen zur Burg Lahneck hinaufsteigen. Diese liegt auf einem 164 Meter hohem Felsvorsprung oberhalb der Stadt. Auch wenn wir nach den vielen Stufen ganz schön außer Atem sind, genießen wir den herrlichen Ausblick auf das Rheintal. 

 

Während der Rhein nun weiter in Richtung Bonn fließt, verabschieden wir uns und werden weiter in Richtung Mosel fahren. Die Fahrt entlang des Rheins ist allein schon landschaftlich ein absoluter Leckerbissen. Die vielen Burgen und historischen Orte komplettieren das malerische Ensemble. Ob auf der Straße oder auf dem Fluss, dass Mittelrheintal lohnt sich. Vor allem im Frühjahr zur Blütezeit und im Herbst während der Weinlese sollte man dieser Region unbedingt einen Besuch abstatten.

Tag 311 - Burg Eltz und Cochem an der Mosel

16. März 2019

Heute lassen wir das Mittelrheintal hinter uns und fahren in Richtung Mosel. Zunächst steht ein Besuch der Burg Eltz an. Schon lange planen wir diesem malerischen Ort einen Besuch abzustatten, da sie eine pittoreske Schönheit ist und Sören sie in seinem Foto-Repertoire nicht missen möchte. Auf dem Parkplatz angekommen, laufen wir entlang des Waldweges oberhalb einer kleinen Schlucht in Richtung der märchenhaften Burg. Die Burg im Tal des Elzbaches wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts an einem Handelsweg zwischen dem Moselland und dem fruchtbaren Maifeld erbaut. Auf drei Seiten von der Elz umflossen und ragt sie auf einem bis zu 70 Meter hohen, elliptischen Felskopf empor. Die Erbauer orientierten sich bei der Anlage an der Form der Felsformation. Dadurch entstanden die teilweise ungewöhnlichen Grundrisse der einzelnen Räume. Seit mehr als 800 Jahren befindet sich die Burg im Besitz der gleichnamigen Familie. Ihr jetziger Eigentümer, Karl Graf und Edler Herr von und zu Eltz-Kempenich, lebt in Frankfurt am Main und auf dem Eltzer Hof zu Eltville am Rhein. Er übernahm die Aufgabe, die Burg für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten, ihre Substanz zu sichern und sie an die 34. Generation weiterzureichen. Was für eine Geschichte, Wahnsinn! 

 

Die Kellergewölbe der Burg bergen eine der bedeutendsten privaten Schatzkammern - eine berühmte Sammlung von Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie Schmuck, Porzellan, Waffen und Rüstungen. Wie das Schloss Bürresheim und die Burg Lissingen ist es eine jener Befestigungsanlagen in der Eifel, die niemals gewaltsam erobert werden konnten. Von 2009 bis 2012 wurden aufwendige Sanierungs- und Sicherungsarbeiten an der Burg durchgeführt. Mit ihrer einzigartigen Architektur und ihrer malerischen Lage ist Burg Eltz nicht nur für uns sondern für viele andere Besucher der Inbegriff einer deutschen Ritterburg. Wer diesen Ort einmal selbst besuchen und besichtigen möchte, kann sich hier darüber informieren. Wir waren und sind nachhaltig beeindruckt.

 

Auch wenn das Moseltal nicht ganz mit der Dichte an Burgen und Schlössern des Mittelrheintals mithalten kann, so ist es landschaftlich fast noch schöner anzusehen. Entlang der Mosel führt uns die Straße zunächst nach Cochem. Endlich lässt auch der Regen nach und wir machen uns auf in die Altstadt der aktuell kleinsten Kreisstadt Deutschlands. Cochem war schon zu Zeiten der Kelten und Römer besiedelt. Im Jahre 886 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Auf dem Burgberg mitten in der Stadt thront majestätisch die Reichsburg Cochem. Sie wurde um 1000 erbaut, 1689 zerstört und 1874 bis 1877 wiedererrichtet. Die zahlreichen gut erhaltenen Reste der historischen Stadtmauer mit ihren alten Befestigungswerken zeugen noch heute von der belebten Vergangenheit Cochems. Nach wenigen Minuten zu Fuß erreichen wir den Marktplatz und werden direkt mit einem Glas Rieslingsekt und volkstümlicher Musik begrüßt. Am heutigen Tag wird der Spieler des Marktplatz-Glockenspiels 80 Jahre alt und zu diesem Ehrentag hat sich die gesamte örtliche Blaskapelle versammelt. Was für eine schöne Stimmung - danke, dass wir dabei sein durften! 

 

Cochem hält so einige Überraschungen für seine Besucher bereit. Denn wer hätte gedacht, dass hier Jahrzehntelang  eines der bestgehüteten Geheimnisse der alten Bundesrepublik auf uns wartet?! Der Bunker der Deutschen Bundesbank in Cochem. Versteckt zwischen den Moselhängen inmitten eines beschaulichen Wohngebiets lagerten dort über 2 Jahrzehnte lang 15 Mrd DM einer Ersatzwährung, die in Zeiten des Kalten Krieges die aktuelle DM binnen 14 Tagen ersetzt hätte. Seit dem Jahr 2016 kann man den Bunker nun besuchen und in alte Zeiten abtauchen. 

 

Wir haben den kleinen Ort wirklich in unser Herz geschlossen. Überall laden kleine Winzerstuben zu Verkostungen ein, alte Fachwerkhäuser versprühen ihren Charme und am Abend zur Dämmerung erstrahlen die kleinen Gassen noch einmal in einem ganz anderen Licht. Aus vielen Straußwirtschaften tönt Musik und nach dem einen oder anderen Glas Wein steigt die Stimmung unter den Besuchern. Morgen werden wir noch die alte Reichsburg besuchen und können schon heute sagen - wer die Mosel besucht sollte unbedingt in Cochem halt machen. Unsere Nacht verbringen wir im Nachbarort Ernst, es war aber eher ein lustiger Abend. Die Mosella Schinkenstube im Ort ist sehr zu empfehlen. 

Tag 312 - Reichsburg Cochem und die Moselschleife

17. März 2019

Der gestrige Abend war lang und lustig. Nachdem wir einen netten Stellplatz gefunden und lecker zu Abend gegessen hatten, gab es noch die eine oder andere Runde „Mensch ärgere Dich nicht“. Die gemeinsamen Abende mit Maja und Kay sind wirklich lustig und wir genießen die gemeinsame Zeit. 

 

Am Morgen werden wir noch einmal so richtig nass, da es gießt in Strömen gießt. Wir packen trotzdem unsere sieben Sachen und fahren noch einmal nach Cochem. Heute wollen wir die Reichsburg besichtigen. Allein schon der Aufstieg zur Burg ist ein wahres Fest. Egal aus welcher Richtung man sich der Stadt nähert, thront die Burg auf einem steilen Bergkegel, der sich 100 Meter über der Mosel erhebt. Sie ist mit ihren Erkern und Zinnen ein reizvoller Anblick. Die mittelalterliche Reichsburg, die im Eigentum der Kurfürsten von Trier während des pfälzischen Erbfolgekrieges beschädigt wurde, hat der Berliner Kommerzienrat, Louis Ravené, im Zuge der Burgenromantik im 19. Jahrhundert liebevoll restauriert und im neugotischen Stil wiederaufgebaut. Alle 15 Minuten beginnen wirklich interessante Führungen durch die Burganlage. Die Räumlichkeiten sind sehr gut erhalten, liebevoll gestaltet und die Blicke von der Burg auf die Mosellandschaft sind einmalig. Eine Führung dauert 40 Minuten und kostet pro Person 6 Euro, ein fairer Preis wie wir finden. Wir nehmen Abschied von Cochem und freuen uns auf ein Wiedersehen.

 

Nur wenige Kilometer weiter in Richtung Südwesten treffen wir bei Bremm auf die Moselschleife. Mit Picknick-Korb und einer guten Flasche Wein im Gepäck kann man sich in den Weinbergen von einem fantastischen Ausblick auf die wohl bekannteste Moselschleife verzaubern lassen. Laut „Businessinsider“ gehört das kleine Örtchen Bremm zu den 19 schönsten Dörfern der Welt. Zu verdanken hat es diesen Titel vermutlich der Postkarten-Idylle, in die es am Ufer der Mosel eingebettet ist. Den schönsten Ausblick auf die Moselschleife bietet der Klettersteig im Calmont, dem steilsten Weinberg Europas. Oben am Gipfelkreuz angekommen kann man die Weinberge kilometerweit überblicken. Auch wir parken unsere Wohnmobile im Tal und beginnen den Aufstieg. Da das Wetter sehr wechselhaft ist und die Weinberge nass und rutschig sind, entscheiden wir uns aber nach der Hälfte der Strecke umzukehren - Sicherheit geht vor. Jedoch ist der Wanderweg für Schwindelfreie wirklich zu empfehlen, da die Ausblicke einfach gigantisch sind.

 

Nach einer Tasse Cappuccino und einem Stück Kuchen ist nun die Zeit gekommen sich von Maja und Kay zu verabschieden. Sie werden nun die Rückreise nach Römerberg antreten, um am Montag wieder in die Arbeitswoche zu starten. Vielen Dank für die schöne gemeinsam Zeit, es war großartig mit euch! Wir werden noch etwas weiter die Mosel entlang fahren. Mit ihrer traumhaften Landschaft und den vielen kleinen Highlights hat sie uns in ihren Bann gezogen. 

Tag 313 - Liebe geht durch den Saumagen

18. März 2019

Die Mosel ist nun seit ein paar Tagen unser ständiger Begleiter. Auf seinen 544 Kilometern Länge fließt der Fluss nicht nur durch verschiedene Landschaften, nein, er wechselt auch seinen Namen. In Frankreich wird er Moselle genannt, in Luxemburg Musel und schließlich bahnt er sich seinen Weg durch die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland als Mosel. Dabei schlängelt er sich durch die von Weinreben gefüllten Schiefertäler in unzähligen Kurven und Schleifen. Die bekannteste ist wohl die Moselschleife, welcher wir gestern einen Besuch abstatteten. Die Straßen entlang des Moseltals sind mittlerweile schon recht gut von Wohnmobilen gefüllt und so langsam scheinen die Camper wieder aus ihrem Winterschlaf zu erwachen. Doch nicht nur die Straßen zu Land werden hier bereist. Denn auch auf den Wasserstraßen herrscht reger Verkehr. So betrug das Transportaufkommen im Jahr 2017 unglaubliche 10,8 Mio. Tonnen. Zumeist werden Kohle, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Metalle durch die insgesamt 28 Staustufen der Mosel transportiert. Dabei überwinden die Schiffe einen Höhenunterschied von 161 Metern.

 

Durch den anhaltenden Regen der letzten Tage führt die Mosel im Moment Hochwasser, was unsere Stellplatzsuche leider erschwert. Da die Täler doch recht eng sind und der Platz entlang des Flusses sehr knapp ist, befinden sich viele Stellplätze derzeit direkt im Wasser. Der nächste Tag beginnt für uns mit einem Ausflug in die Städtchen Traben-Trarbach und Bernkastel-Küs. Gerade als wieder mal ein Schauer aus Regen und Graupel über das Land zieht, queren wir die Hochmoselbrücke unterhalb bei Ürzig. Das 160 Meter hohe Bauwerk ragt gigantisch über dem Moseltal und wird ab Mitte 2019 die beiden Talseiten verbinden. Auch wir wechseln kurze Zeit später die Talseite und stehen mitten in der zauberhaften Ortschaft Bernkastel-Küs. Die Gilde- und Fachwerkhäuser im Altstadtkern sind herrlich krumm und schief und im Vorbeigehen fragt man sich, ob sich die Bauherren damals während der Arbeit nicht doch das ein oder andere Schlückchen vom Traubensaft genehmigt haben. Auch das älteste Fachwerkhaus der Mosel, das „Spitzhäuschen“ aus dem Jahr 1416 ist ein echter Hingucker und gilt als Meisterstück moselländischer Winzerhäuser. Auf Grund seiner außergewöhnlichen Bauart sticht es einem am Marktplatz sofort ins Auge. Es wächst auf engstem Raum nach oben, wobei die untere Etage die schmalste Stelle des Hauses ist. Der Grund für diese ungewöhnliche Bauform sei wohl die hohe Grundsteuer der damaligen Zeit gewesen - andererseits sei die Gasse für die gängigen Ochsenkarren zu eng gewesen, sodass der untere Teil ausgespart werden musste. Heute befindet sich ein Weinstübchen darin, in dem über 50 Rieslinge und Rotweine verkostet werden können. 

 

Kaum ist der Regen vorüber, zeigt sich auch schon wieder die Sonne am Himmel und hier und da wird schon der erste Eisbecher serviert. Doch uns steht der Sinn nicht nach etwas süßem - herzhaft soll es sein und so machen wir kurzerhand bei einem Metzger halt und probieren Helmut Kohls Leibspeise, den Pfälzer Saumagen. Diesen ließ der ehemalige Bundeskanzler im Jahre 1992 beim Münchner Weltwirtschaftsgipfel oder auch bei der UN-Vollversammlung im Jahr 1996 in New York servieren. So erlangte das Gericht aus Kartoffeln, Schweinefleisch, Karotten, Lauch und ein paar weiterer Geheimzutaten Internationale Bekanntheit. Gorbatschow und Jelzin sollen begeistert gewesen sein und auch wir reihen uns in die Liste der Liebhaber ein. Auch wenn der Name zunächst nicht sonderlich appetitlich klingt, ist dieses Gericht äußerst schmackhaft und empfehlenswert. Ein Klassiker der Region! Hoch über den Weinbergen machen wir am Nachmittag einen Stellplatz mit herrlicher Aussicht über das Moseltal ausfindig und bringen euch gerade bei einer Tasse Cappuccino auf den neusten Stand der Dinge. 

Tag 313 - Liebe geht durch den Saumagen

18. März 2019

Die Mosel ist nun seit ein paar Tagen unser ständiger Begleiter. Auf seinen 544 Kilometern Länge fließt der Fluss nicht nur durch verschiedene Landschaften, nein, er wechselt auch seinen Namen. In Frankreich wird er Moselle genannt, in Luxemburg Musel und schließlich bahnt er sich seinen Weg durch die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland als Mosel. Dabei schlängelt er sich durch die von Weinreben gefüllten Schiefertäler in unzähligen Kurven und Schleifen. Die bekannteste ist wohl die Moselschleife, welcher wir gestern einen Besuch abstatteten. Die Straßen entlang des Moseltals sind mittlerweile schon recht gut von Wohnmobilen gefüllt und so langsam scheinen die Camper wieder aus ihrem Winterschlaf zu erwachen. Doch nicht nur die Straßen zu Land werden hier bereist. Denn auch auf den Wasserstraßen herrscht reger Verkehr. So betrug das Transportaufkommen im Jahr 2017 unglaubliche 10,8 Mio. Tonnen. Zumeist werden Kohle, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Metalle durch die insgesamt 28 Staustufen der Mosel transportiert. Dabei überwinden die Schiffe einen Höhenunterschied von 161 Metern.

 

Durch den anhaltenden Regen der letzten Tage führt die Mosel im Moment Hochwasser, was unsere Stellplatzsuche leider erschwert. Da die Täler doch recht eng sind und der Platz entlang des Flusses sehr knapp ist, befinden sich viele Stellplätze derzeit direkt im Wasser. Der nächste Tag beginnt für uns mit einem Ausflug in die Städtchen Traben-Trarbach und Bernkastel-Küs. Gerade als wieder mal ein Schauer aus Regen und Graupel über das Land zieht, queren wir die Hochmoselbrücke unterhalb bei Ürzig. Das 160 Meter hohe Bauwerk ragt gigantisch über dem Moseltal und wird ab Mitte 2019 die beiden Talseiten verbinden. Auch wir wechseln kurze Zeit später die Talseite und stehen mitten in der zauberhaften Ortschaft Bernkastel-Küs. Die Gilde- und Fachwerkhäuser im Altstadtkern sind herrlich krumm und schief und im Vorbeigehen fragt man sich, ob sich die Bauherren damals während der Arbeit nicht doch das ein oder andere Schlückchen vom Traubensaft genehmigt haben. Auch das älteste Fachwerkhaus der Mosel, das „Spitzhäuschen“ aus dem Jahr 1416 ist ein echter Hingucker und gilt als Meisterstück moselländischer Winzerhäuser. Auf Grund seiner außergewöhnlichen Bauart sticht es einem am Marktplatz sofort ins Auge. Es wächst auf engstem Raum nach oben, wobei die untere Etage die schmalste Stelle des Hauses ist. Der Grund für diese ungewöhnliche Bauform sei wohl die hohe Grundsteuer der damaligen Zeit gewesen - andererseits sei die Gasse für die gängigen Ochsenkarren zu eng gewesen, sodass der untere Teil ausgespart werden musste. Heute befindet sich ein Weinstübchen darin, in dem über 50 Rieslinge und Rotweine verkostet werden können. 

 

Kaum ist der Regen vorüber, zeigt sich auch schon wieder die Sonne am Himmel und hier und da wird schon der erste Eisbecher serviert. Doch uns steht der Sinn nicht nach etwas süßem - herzhaft soll es sein und so machen wir kurzerhand bei einem Metzger halt und probieren Helmut Kohls Leibspeise, den Pfälzer Saumagen. Diesen ließ der ehemalige Bundeskanzler im Jahre 1992 beim Münchner Weltwirtschaftsgipfel oder auch bei der UN-Vollversammlung im Jahr 1996 in New York servieren. So erlangte das Gericht aus Kartoffeln, Schweinefleisch, Karotten, Lauch und ein paar weiterer Geheimzutaten Internationale Bekanntheit. Gorbatschow und Jelzin sollen begeistert gewesen sein und auch wir reihen uns in die Liste der Liebhaber ein. Auch wenn der Name zunächst nicht sonderlich appetitlich klingt, ist dieses Gericht äußerst schmackhaft und empfehlenswert. Ein Klassiker der Region! Hoch über den Weinbergen machen wir am Nachmittag einen Stellplatz mit herrlicher Aussicht über das Moseltal ausfindig und bringen euch gerade bei einer Tasse Cappuccino auf den neusten Stand der Dinge. 

Tag 314 bis 318 - Frühlingserwachen an der Mosel

18. - 23. März 2019

Aus einem Tag werden ganz schnell 2, 3, 4 und schließlich 5. Wir sind an der Mosel hängen geblieben. Als wir ankamen war noch mäßiges Wetter mit regenreicher Tristesse. An dem wunderschönen Stellplatz in der kleinen Ortschaft Brauneberg fanden sich gerade mal 6 Wohnmobile zusammen, die Straßen waren menschenleer und ein jeder verkroch sich in seinem Wohnmobil. Während der letzten Tage gab es aber ein regelrechtes Frühlingserwachen mit musikalischem Vogelgezwitscher, die Sonne schien, der Himmel war strahlend blau und aus den anfänglichen 6 Wohnmobilen wurden ganz schnell 25 und der Platz war voll. 

 

Eingebettet zwischen den Weinbergen bieten sich hier zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten entlang der Mosel an. Ein weit verzweigtes Netz an Wander- und Radwegen laden ein die Gegend ausführlich zu erkunden. Und genau das machen wir. Entlang des Flusses radeln wir stromaufwärts bis nach Berkastel-Küs und stromabwärts bis nach Piesport. Mittlerweile ist hier schon richtig was los und die Straußwirtschaften scheinen aus dem Winterschlaf zu erwachen. Die Weinberge sind schier unendlich und es muss eine wahre Freude sein hier zur Weinernte unterwegs zu sein. Im Moment haben die Winzer aber doch alle Hände voll zu tun. Die alten Reben werden vom Gestrüpp befreit und 2 der größten Stränge an einem Metallband festgebunden. Und das pro Rebe, pro Reihe, pro Weinberg. Hach muss das eine Arbeit sein. Aber bei einem guten Tröpfchen ist die Arbeit bestimmt nur noch halb so schlimm. Wir nutzen die Zeit uns planen unsere weitere Reise, Anne´s Forever 29 Party und erledigen einige Wartungsarbeiten am Wohnmobil. 

 
Tag 319 bis 326 - Auszeit in der Heimat

24 - 31. März 2019

So nun wollen wir Euch endlich mal wieder auf den aktuellen Stand bringen. Wie ihr sicherlich gemerkt habt, ist es in den vergangenen Tagen etwas ruhiger um uns geworden. Aber keine Angst, wir sind nicht Reisemüde, wir tanken nur Energie bei unserer Familie in der Heimat.

Zuerst haben wir die Mama von Sören überrascht, die Freude war groß und wir haben den gemeinsamen Abend sehr genossen. Die Tage darauf verbrachten wir bei den Großeltern von Sören in Riesa. Nach endlosen Runden Kniffel und einer spannenden Bowlingtour zog es uns dann weiter nach Dresden. Hier haben wir wieder uns kleines Lager bei Anett und Volker, Sörens Tante und Onkel, aufgeschlagen. Nach knapp einem Jahr schlafen wir endlich mal wieder ein einem Bett und aus dem Wasserhahn kommt zu jederzeit warmes Wasser. Ein gutes Gefühl. Vielen Dank für die Gastfreundschaft! Natürlich besuchen wir auch die Eltern und die Omi von Anne. Nebenbei haben wir bereits einige Wartungsarbeiten am Wohnmobil durchgeführt und machen unseren Carado fit für die kommenden Abenteuer. 

Auch sonst sind so einige Aufgaben angefallen, welche wir nun bis Ende April abarbeiten werden. Wundert euch also nicht, wenn es eine Zeit lang etwas ruhiger auf unserer Seite wird. Schon bald können wir gemeinsam in neue Abenteuer aufbrechen. Bis dahin, passt auf Euch auf!

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