Tag 237 bis 239 - Schwere Männergrippe & eine Westernstadt in Andalusien

1. - 3. Januar 2019

Nach dem wir hervorragend ins neue Jahr gestartet sind, verbringen wir den ersten Tag des neuen Jahres bei herrlichem Wetter noch in der Villa in den Bergen bei Lagos. Abends springen wir in den Whirlpool und genießen das gemütliche Zusammensein mit den Freunden der Ösis.

Am darauffolgenden Morgen machen wir uns schon früh auf den Weg nach Spanien. Schnell noch ein paar Lebensmittel eingekauft sowie Gas aufgefüllt und schon überfahren wir die Grenze nach Spanien. Unser erstes Ziel soll der kleine Ort El Rocio sein, welcher direkt am Donana Nationalpark liegt und in vielen Ecken an eine verlassene Westernstadt erinnert. Bekannt ist der Ort für seine Wallfahrtskirche "Ermita del Rocio". Jedes Jahr zu Pfingsten kommen über eine Million Pilger in den Ort und lassen ihn für einen Moment aufblühen. Den Rest des Jahres scheint hier jedoch nicht viel zu passieren. El Rocio verfügt über kaum fest angelegte Straßen, alles verläuft auf Sand und so sind hier Pferde und Kutschen bis heute das beliebteste Fortbewegungsmittel. Ein unwirkliches Bild, welches uns stark an Tombstone in Arizona erinnert. 

Am frühen Abend fahren wir dann weiter in den Donana Nationalpark ein, welcher zugleich das wichtigste Feuchtgebiet Spaniens darstellt. Der Park zeichnet sich durch ein extrem flaches Relief aus. Die wellige Landschaftsform der sogenannten „cotos“ und Wanderdünen geht in das Feuchtgebiet über, dem wichtigsten Teil des landschaftlichen Ensembles welches zahlreichen Zugvögeln Zuflucht bietet. Der Nationalpark Doñana beherbergt eine Vielzahl an Tierarten, wobei besonders das Vogelvorkommen hervorzuheben ist. Uns haben am besten die Pinienwälder gefallen, ansonsten ist der Park unserer Meinung nach eher unspektakulär und etwas überbewertet. 

Am Abend macht sich dann bei Sören die Männergrippe breit. Der Virus wurde eindeutig aus Österreich importiert und machte sich schon über Silvester bei dem einen oder anderen bemerkbar. Schnupfen, Halsweh, Husten, Kopfweh, Schüttelfrost und Fieber - wir müssen einen Zwischenstopp einlegen und einen Tag pausieren. Jeder weiß ja auch wie schlimm richtige Männergrippen sind ;-). Aber mit der richtigen Pflege können wir sicher schon bald unsere Reise fortsetzen. 

Tag 240 - Eine Geisterstadt am Meer & Tonnen an Müll

4. Januar 2019

Unser nächster Übernachtungsort liegt an der schönen Küste von Andalusien. Die Stadt Matalascanas am Rande des Donana Nationalpark scheint vor allem in den Sommermonaten ein beliebter Urlaubsort zu sein. Viele kleine Ferienhäuser aber auch große Hotels prägen den Ort. Sie haben alle etwas gemeinsam - sie sind im Winter geschlossen. Und so entsteht eine Stadt, welche wie eine Geisterstadt daherkommt. Die lange Strandpromenade ist verlassen, die Straßen und Gassen leer und selbst die Supermärkte sind einfach geschlossen. Ab und zu fährt der örtliche Sicherheitsdienst durch die Straßen und einige Deutsche Rentner, welche hier ihren Winter verbringen, spazieren am Strand entlang. Nein - hier können wir uns wahrlich überhaupt nicht vorstellen zu überwintern. Aber wie alles im Leben ist auch dies eine Geschmackssache. Keine Geschmackssache hingehen sind die unfassbaren Müllberge am Rande aller Straßen. Seitdem wir in Spanien eingefahren sind fällt uns dies extrem auf. Und auch wenn man diese Müllberge gern auf den Tourismus schieben möchte, so erklärt sich uns nicht warum TV Geräte, Waschmaschinen usw. am Straßenrand entsorgt werden. Dieses Land ist so schön, hat solch eine tolle Natur, traumhafte Strände und überall das gleiche Problem - Müll. Und um dieses Problem zu lösen, reicht es nicht mehr aus am Strand Müll zu sammeln, dafür muss ein Umdenken ganzer Generationen stattfinden - aber wo fängt man da an? Nachdenklich und etwas ratlos fallen wir in unsere Betten und genießen unsere Nacht am Rande der Geisterstadt Matalascanas. 

Tag 241 bis 242 - Heilige 3 Könige in Sevilla

5. - 6. Januar 2019

Heute wird mal wieder Großstadtluft geschnuppert. Nach den vielen kleinen Städtchen und Dörfern statten wir der 4. größten Stadt Spaniens für 3 Tage einen Besuch ab. Doch bevor wir uns im Trubel treiben lassen, suchen wir uns erstmal einen Stellplatz - gar nicht so leicht, da einer hässlicher als der andere ist. Und denkt bitte nicht, dass wir übertreiben, denn das Angebot an Plätzen ist schlichtweg unterirdisch. Rein optisch erinnert unser Platz eher an einen Autohof. Dicht an dicht an die anderen Campern gepresst, kommen wir in den Genuss von minimalistischem Asphaltflair und die Raffinerie im Hintergrund tüncht die Luft mit einem herrlichen Benzingeruch. Herz was willst du mehr!? Mal im Ernst, warum schaffen es solch bedeutende Städte wie Sevilla nicht, wenigsten einen sauberen und sicheren Stellplatz für die vielen Wohnmobilisten zu schaffen? Schade, aber man unterschätzt diesen Zweig des Tourismus hier einfach vollkommen. 

 

Der erste Tag in Sevilla steht ganz und gar unter dem Motto Kamelle. Pünktlich um 16.15 Uhr reihen wir uns mit halb Sevilla am Straßenrand der Celle Palos de la Frontera ein. Denn seit 1918 wird hier alljährlich der Umzug der Heiligen 3 Könige veranstaltet. Von den 30 bunt geschmückten Festwägen werden innerhalb einer Stunde ca. 90 Tonnen Bonbons an Groß und Klein in die Menge geworfen. Und auch wir können ein paar Leckereien ergattern und hatten einen riesen Spaß beim Festumzug.

 

Nach all der Adrenalinausschüttung und den Hosentaschen voller Bonbons ist uns danach eher nach Ruhe zu Mute. Also vertreiben wir uns noch die Zeit am Plaza de Espana. Und hier ist es einfach herrlich! Der Platz ist ein Schauspiel von Licht und majestätisch anmutender Schönheit. Er wird von dem Parque de María Luisa eingerahmt und wurde von dem großen sevillanischen Architekten Anival González als malerischer Treffpunkt für die Iberoamerikanische Ausstellung im Jahr 1929 konzipiert. Kastagnetten klappern rhythmisch im Hintergrund, an der Ecke wird vor zahllosen Schaulustigen Flamenco getanzt und das Klackern der Hufe der vorbeifahrenden Pferdekutschen lassen das ganze zu einem durch und durch spanischen Erlebnis werden. Fazit von Tag 1 - Sevilla ist super!

 

Und schon steht Tag 2 in Sevilla vor der Tür. Direkt vom Stellplatz geht ein Fahrradweg bis in die City und schon nach 10 Minuten sind wir im Altstadtkern. Auch wenn der Platz grottig ist, so ist die Lage echt klasse. Unsere Tour durch die Stadt beginnt an der Kathedrale von Sevilla. Riesig, ja schon fast monumental ragt sie über die gesamte Stadt. Reich verziert, drehen sich die kleinen Türmchen in die Höhe. Doch das Wahrzeichen La Giralda, der Glockenturm, ist wirklich einzigartig. Denn bis zu einer Höhe von 70 Metern kann dieser beritten werden. Ja, genau - ihr lest richtig. Anstatt der üblichen Treppen gelangte man früher per Pferd nach oben. Dazu wurde eine 2,50 Meter breite Rampe angelegt und diese ersparte einen erschwerlichen Aufstiegt. Der Turm ist der Rest des einstigen Minaretts der Moschee aus dem Jahr 1184 und war damals eines der höchsten Bauwerke der Welt. Unten am Fuße der Kathedrale warten viele Kutscher auf ihre nächste Fahrt und zusammen mit den Palmen, der Kathedrale und den Kutschen ergibt es wirklich ein schönes Bild. 

 

Kreuz und quer entdecken wir die Stadt zu Fuß und verlieren uns in den unzähligen kleinen Gässchen. Biegt man von den Hauptstraßen ab, wird es plötzlich ganz still und man bekommt von Trubel nichts mehr mit. Doch vorne steppt der Bär, die Cervecarias sind überfüllt und das spanische Geplapper füllt die Gassen mit Leben. Nach ein paar Kilometern kommen wir schließlich am Pilz an, dem Kosenamen des Metropol Parasol. Anstelle des alten Marktplatzes wurde 2004 ein internationaler Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes ausgerufen. Von den rund 800 Teilnehmer gewann ein Berliner mit seinem Entwurf. Natürlich übertrafen die tatsächlichen Baukosten mal wieder den Plan - aber das kennt man ja aus Berlin nicht anders. Das Wahrzeichen Sevillas gilt seither als größte Holzkonstruktion der Welt und lädt mit einer Besucherplattform auf 26 Metern Höhe zu einem Blick über die Stadt ein. Mit dem Fahrstuhl gehts fix nach oben und schon liegt uns die Stadt zu Füßen. Ein gelungener Abschluss für unseren 2ten Tag in Sevilla. Wir freuen uns auf mehr und fallen todmüde in unser Bett.

Tag 243 - Palacio de Lebrija & Real Alcázar de Sevilla

7. Januar 2019

Nach unseren ersten 2 Tagen in Sevilla sind wir schon jetzt sehr beeindruckt von dieser andalusischen Schönheit. Unseren heutigen Tag beginnen wir mit einem ausgiebigen Frühstück, da wir erst später in die Stadt fahren wollen. Schon vor einigen Tagen haben wir unsere Tickets für den Real Alcazar Palast gebucht. Jeden Montag kann das wohl bedeutendste Bauwerk Sevillas sogar kostenlos besuchen. Anstatt 36 Euro für 2 Personen zahlen wir so nur 2 Euro Reservierungsgebühr - eine klasse Sache wie wir finden. 

Zunächst radeln wir aber in das Stadtviertel Triana. Nicht weit von Sevillas Altstadt entfernt entfaltet sich mit Triana am anderen Ufer des Guadalguivirs das authentische Sevilla. Der Stadtteil beherbergt zahlreiche historische Häuser und hat durch alte Bäume, Dattelpalmen und kleine Plätze viel Atmosphäre. Zahlreiche Restaurants und Tapasbars bieten leckere Gerichte an und sind auch bei den Einheimischen sehr beliebt. Wir entscheiden uns allerdings für einen leckeren Burger - der erste Burger seit einer gefühlten Ewigkeit, lecker war er. Der Stadtteil mit 50.000 Einwohnern war einst eine Vorstadt und versteht sich auch heute als eines der wichtigsten Flamencozentren Spaniens. Im 19. Jahrhundert lebten hier viele Roma, die den Flamenco nach Andalusien brachten. Eines der besten Flamencolokale ist die Casa La Anselma. Früher war Triana ein Seefahrer- und Handwerkerviertel, in dem auch Töpfer und Keramiker zuhause waren. Die farbenfrohen Fliesen, die Azulejos, finden wir an sehr vielen Fassaden Trianas. Häufig stellen sie großflächige Wandbilder dar. Bis heute zeichnet sich das Quartier durch eine eigentümliche Mischung aus Geschichte und Moderne aus.

Weiter geht unser Streifzug durch Sevilla und führt uns zu einem der wohl schönsten Herrenhäuser der Stadt, dem Palacio de Lebrija. Im 16. Jahrhundert als sevillanischer Stadtpalast erbaut, wurde er im Jahre 1901 von der Condessa of Lebrija gekauft, 13 Jahre lang restauriert und umgestaltet. Von Außen ist die Pracht rein gar nicht wahrzunehmen und so sind wir einen Tag vorher, als der Palast geschlossen war, einfach daran vorbeigelaufen. Erst im Inneren entfaltet der Palast seinen ganzen Glanz. Wie in sevillanischen Stadtpalästen üblich, befindet sich im Erdgeschoss die Sommerwohnung und im ersten Stock die Winterresidenz. Seine Bedeutung verdankt der Palast der Sammelwut der Condessa de Lebrija. Als eine der ersten studierten Frauen der Schönen Künste, widmete sie ihr Leben der Geschichte und der Archäologie. Auf ihren zahlreichen Reisen erwarb sie Zeitzeugen verschiedener Epochen. Highlight des Palacios sind die 580 Quadratmeter römischer Mosaike, die die Wände und den Boden bedecken. Herzstück ist das Pan-Mosaik, das sich im zentralen Innenhof befindet. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einer Finca in Itálica in der Nähe Sevillas mit weiteren zwei Mosaiken gefunden. Die Condessa erwarb die komplette Finca, und nachdem sie zwei Mosaike dem Staat gespendet hatte, durfte sie das Dritte Stein für Stein in ihren Palast bringen. Für uns ein absolutes Highlight, vor allem weil wir den Palast ganz für uns alleine hatten. Denn im Vergleich zum weltberühmten Real Alcazar schenkt man den vielen Herrenhäusern in Sevilla leider etwas zu wenig Aufmerksamkeit. Ebenso sehr lohnenswert ist der Palacio de Las Duenas und die Casa de Pilatos.

Einmal leben wie ein König, das wärs doch! Zum Abschluss des Tages schnuppern wir noch ein wenig königliche Luft. Naja so fast, denn erstmal stehen wir wie die Sardinen in der Schlange an. Da trifft Wunschdenken auf die harte Realität. Glücklicherweise haben wir uns im vorhinein ein Ticket für den kostenfreien Besuch des Real Alcázar gebucht, da wir ansonsten fortgeschickt worden wären. 

 

Der mittelalterliche Palast wird noch heute von der spanischen Königsfamilie als offizielle Residenz genutzt, wenn diese in Sevilla verweilen sollte. Weite Teile der Anlage wurden über Jahrhunderte hin erweitert und so hat sich ein wunderschöner Stilmix ergeben. Ganz besonders sticht der islamische Baustil hervor, der dem Ganzen einen orientalischen Touch gibt. Die Gartenanlagen sind wundervoll hergerichtet und wir sind wirklich beeindruckt, als sich förmlich ein kleines Paradis in Mitten der Stadt auftut. Ein Spaziergang durch die Jardines del Alcázar gehört zu den wohl schönsten Erinnerungen an den Besuch in Sevilla. Die Gärten sind in Terrassen unterteilt, liebevoll begrünt und warten mit unzähligen Orangenbäumen und Palmen, Springbrunnen und Pavillons auf, die zum Verweilen einladen. Innerhalb des Palasts sind insbesondere der Innenhof Las Doncellas mit seinen wunderschönen verkachelten Sockeln und der Innenhof Las Muñecas mit seinen interessanten Kapitellen zu bestaunen. Der Real Alacázar wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und diente als Kulisse für verschiedene Filme wie zum Beispiel Königreich der Himmel, Alatriste oder Game of Thrones. Ein toller Besuch, welcher stets vorgebracht werden sollte. So enden unsere Tage in Sevilla und wir werden noch lange an diese schöne Stadt zurückdenken. 

Tag 244 - Cádiz, älteste Stadt Europas

8. Januar 2019

Neuer Tag, neues Ziel. Nach unserem beeindruckendem Besuch der Stadt Sevilla geht die Reise nun weiter nach Cádiz. Die Fahrt durch Andalusien führt uns zum größten Teil durchs flache Land - Felder wo hin wir schauen. Doch am Horizont zeichnen sich schon die ersten Hügel ab, eine hübsche Mischung wie es uns scheint.

 

Die historische Hafenstadt ist fast von allen Seiten vom Meer umschlossen und liegt auf einer Landzunge. Sie selbst nennt sich die älteste Stadt Europas und dies nicht ganz zu Unrecht. So konnte archäologisch nachgewiesen werden, dass bereits Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. eine Besiedlung des Gebiets stattfand. Angekommen in der historischen Altstadt erkennen wir schon von weitem die Kathedrale aus dem Jahre 1722. Doch zunächst suchen wir uns einen Parkplatz, der zu unser Verwunderung pro Minute mit 2 Cent abgerechnet wird. Irgendwie witzig!

 

Heute morgen sind wir bei 5 Grad Celsius Außentemperatur aufgewacht und auch jetzt ist es noch ordentlich kalt in den kleinen Gässchen. Im Sommer bestimmt super erfrischend - doch heute mit zusätzlichem Wind bekommen wir schnell eine Gänsehaut. Also immer in Bewegung bleiben mit dem Ziel Torre Tavira, einem Aussichtsturm, der den schönsten Blick über die Stadt bieten soll. Nach den 173 Stufen hinauf zur Spitze wäre uns bestimmt ordentlich warm geworden. Doch leider hat der Torre genau ab heute für 3 Tage wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wie schade! Da muss erstmal ein Trostpflaster her, was wir uns in Form von frischen Churros gönnen. Am Marktplatz angekommen steht eine lange Schlange vor dem Churro Geschäft und wir reihen uns ein. Tatsache haben wir das warme iberische Gebäck aus Brandmasse noch nie zuvor probiert und es schmeckt gerade an einem kalten Tag wie diesem super lecker. Mit der Tüte Churros in der Hand schlendern wir durch die Markthalle in der vor allem frischer Fisch verkauft wird und sind mal wieder von der Vielfalt geplättet.

 

Die kleinen verwinkelten Gassen lassen uns schließlich wieder am Meer ankommen. Von hier aus lassen wir nochmal unseren Blick über die Stadt schweifen, über der die Kathedrale thront. Die Kuppeln werden oft mit einem Eidotter verglichen, da sie im Sonnenlicht so herrlich goldgelb erstrahlen. Mit dem Bau der Kathedrale wurde im Jahr 1722 begonnen und nach 116 Jahren Bauzeit erfolgte die Fertigstellung im Jahr 1838. In dieser Zeit ergaben sich viele Änderungen von Stil und Geschmack, sodass eine Mischung von Barock, Rokoko und Neoklassizismus entstand. 

 

Nach unserem Stadtbummel machen wir noch in dem kleinen Lokal „Casa Vicente“ in der Calle Cardoso 29 halt, da uns der Magen in den Kniekehlen hängt. Hier wimmelt es nur so von Einheimischen, was ja immer ein gutes Zeichen ist. Und schon kurze Zeit später steht ein frischer Orangensaft, ein Café con leche und ein leckeres Baguettebrot mit Olivenöl, Tomate und Serano Schinken für 2.50€ vor uns. Ein willkommener Snack für zwischendurch.

 

Zurück am Auto geht für uns mal wieder die Stellplatzsuche los. Gefühlt wird es in Richtung Küste immer schwieriger als im Hinterland. Aber schließlich haben wir doch noch Glück und finden ein ruhiges Plätzchen an einem Meeresarm bei einem Fußballplatz. 

Tag 245 - Andalusien pur - vejer de la Frontera 

9. Januar 2019

Aktuell haben wir mal wieder unsere Reisegeschwindigkeit etwas angepasst und so reiht sich ein Highlight an das andere. Kaum haben wir also Sevilla verlassen, bummeln wir schon durch Cadiz und fahren dann weiter nach Vejer de La Frontera. 

 

Das Besondere an Vejer sind weniger einzelne herausragende Sehenswürdigkeiten als das städtebauliche Ensemble einer maurisch geprägten Landstadt, welches sich bis in die Details erhalten hat. Die Farben von Vejer sind Schneeweiß und Ocker, denn in jedem Frühjahr werden die Häuserwände frisch gekalkt. Bei dem Blick von dem Hügel der Neustadt auf die Altstadt fällt auf, mit dem Weiß der traditionellen Gebäude kontrastieren nur die drei höchsten Gebäude. Diese zeigen den blanken Stein: das Castillo, die Kirche und die Stadtmauer, die über einen Kilometer lang den höchsten Kern der Altstadt umschlingt. Es ist wahrlich eine Freude durch die kleine Gassen mit den weiß getünchten Häuser zu spazieren. Der Ort thront auf einer Hügelkuppe zu deren Füßen der Fluss Barbate verläuft. Phönizier, Karthager und Römer haben in dieser Gegend zahlreiche Spuren hinterlassen. Im Jahr 1976 wurde der Ort zur historischen Stätte erklärt und erhielt 1978 den 1. Nationalen Schönheits-Preis für Ortschaften.

Wir beginnen unseren kleinen Rundgang am Plaza de Espana, auf welchem wir direkt einen traumhaft schönen, mit bunten Kacheln verzierten, Brunnen erblicken. Die historischen gepflasterten Straßen der Altstadt, die Palmen und die hellen Häuser verbreiten einen ganz eigenen Charme. Wir gönnen uns erst einmal einen leckeren Kaffee und lassen uns dann tiefer in die Altstadt treiben. Eigentlich gibt es hier nur 2 wirkliche Sehenswürdigkeiten. Zum einen die Kirche Iglesia del Divino Salvador und die maurische Burg Castillo de Vejer de la Frontera.

 

Die Geschichte der Stadt geht bis in die Steinzeit zurück, ebenso gab es einige Auseinandersetzungen um den strategisch gut gelegenen Ort. Im Jahre 711 kam es zur Schlacht von „La Janda“, hier besiegte der Berber Tarek das überlegene Heer von Don Rodrigo. Danach folgten fünfeinhalb Jahrhunderte maurischer Herrschaft. Ein Teil des reichen maurischen Kulturerbes blieb bis heute erhalten, wie das Burgtor, einige Abschnitte der Stadtmauer und nicht zuletzt, der gesamte Straßenverlauf des alten Stadtkerns. Die christliche Rückereroberung wurde 1285 abgeschlossen, auch danach war die Geschichte Vejers schon durch seine Grenzlage und die ständige Bedrohung durch Angriffe und Eroberungsversuche aller Art, äußerst ereignisreich. 

Aber genug mit Geschichte, uns beeindrucken viel mehr die Farben der kleinen Stadt. Überall stehen bepflanzte Terrakottatöpfe herum, Weihnachtssterne ranken sich an den Hauswänden entlang und überall entdecken wir uralte und reich verzierte Haustüren. Oftmals stehen diese sogar offen und führen zu den kleinen Hinterhöfen der Stadthäuser. Schnell vergehen so 2-3 Stunden und wir können uns nicht sattsehen von der malerischen Kulisse. Ein toller Ort, welcher jederzeit einen Besuch wert ist.

Zum Abschluss des Tages noch eine kleine Legende, welche sich um Vejer rankt. Es wird erzählt, dass sich in der Maurenzeit ein aus Granada stammender Emir in die junge Frau Catalina Fernández aus Vejer verliebte. Das Paar heiratete und als die Mauren aus Spanien vertrieben wurden, wanderten beide nach Nordafrika aus. Dort trat Catalina zum islamischen Glauben über und erhielt den Namen Lal-la Zhora. Sie hatte jedoch so starkes Heimweh nach ihrer Heimat Vejer, dass der Emir seiner Frau zum Trost eine sehr ähnliche Stadt mit dem Namen Chefchaouen erbauen lies. Vejer und Chefchaouen haben im Jahr 2000 eine Städtepartnerschaft gegründet und wenn man sich Bilder der Partnerstadt anschaut, so ist eine gewisse Ähnlichkeit in der Tat zu erkennen. Wir fahren am frühen Abend weiter in Richtung Küste und finden ein schönes Plätzchen um den Tag ausklingen zu lassen. So kann es weitergehen liebes Andalusien, du hast uns bereits jetzt in deinen Bann gezogen. 

Tag 246 bis 247 - Die Affen sind los...

10. - 11. Januar 2019

Heute sind bei uns die Affen los...doch von vorn. Die letzte Nacht am Strand war so wunderbar ruhig, sternenklarer Himmel, viele Pferde und Rinder auf einer saftig grünen Wiese direkt hinterm Strand, im Hintergrund die Berge und wir mittendrin. Was für eine grandiose Mischung!

 

Wir brechen recht früh auf und machen uns auf den Weg nach Great Britain, oder viel mehr Gibraltar was sich auf sagenhaft winzigen 6,5 Quadratkilometern erstreckt. Als wir nach einer Stunde auf dem Stellplatz unsere Zelte aufschlagen, wird erstmal schnell noch das Frühstück nachgeholt, dann die Räder fertig gemacht und schon radeln wir von Spanien rüber nach Gibraltar. Bei der Grenzkontrolle herrscht ein reines Chaos, da so viele Leute zwischen den beiden Ländern hin und her pendeln - wir nutzen jede Lücke mit unserem Fahrrad die wir bekommen können und müssen aufpassen zwischen den LKWs, Autos und Mopeds nicht kläglich unterzugehen. Hier gewinnt der schnellere - und schwups sind wir drüben. Doch bevor wir so richtig in Gibraltar ankommen, muss zunächst noch das Rollfeld des Flughafens passiert werden. Doch gerade als wir passieren wollen, wird das Gate von der Polizei geschlossen, da ein Privatjet aus der Schweiz startet. Boah, ist das ein Anblick.

 

Als die Bahn dann frei ist, radeln wir also übers Rollfeld und schlagen uns durch den verrückten Stadtverkehr bis zur Talstation der Gondel des Affenfelsens von Gibraltar. Doch wir entscheiden uns nicht für den bequemen Weg mit der Gondel und laufen die 390 Höhenmeter bis zur Bergstation hinauf. Eine wirklich gute Entscheidung, da der Weg wunderbare Aussichten über Gibraltar und Afrika preisgibt. Bis nach Marokko können wir schauen. Diese Aussicht über die einzige Kolonie Europas genoss auch schon die Queen mit dem Duke of Edinburgh im Mai 1954. Kurz vor unserem Ziel bekommen wir dann auch endlich die ersten Berberaffen zu Gesicht. Und die kommen ganz schön frech daher. Die Rucksäcke der Touristen erscheinen ihnen auf jeden Fall interessant und Leckereien werden hier ja auch großzügig durch die Taxifahrer, die die Touristen nach oben kutschieren, verteilt. Aber gerade die kleinen Baby-Äffchen sind schon sehr drollig. Nach dem steilen Anstieg machen wir hoch oben noch eine kleine Rast und lassen nochmal den Blick schweifen. Das herrliche Wetter lässt uns über die Straße von Gibraltar bis nach Marokko blicken. An der engsten Stelle sind es gerade mal 14 Kilometer durch die die beiden Kontinente getrennt sind. So nah und doch so fern!

 

Der Abstieg ist dann wesentlich angenehmer und wir laufen im zügigen Tempo bergab, was allerdings richtig in die Knie geht. Auf der Mainstreet angekommen wimmelt es nur so von Fish & Chips Restaurants und die Straße gleicht einer Duty-free Meile, da hier sämtliche Artikel mehrwertsteuerfrei und zu vergünstigten Preisen eingekauft werden können. Ansonsten ist hier alles very British und der Verkehr treibt uns mit seinem wilden Tempo schnell zurück in Richtung Spanien. Aber glücklicherweise gibt es hier keinen Linksverkehr, was ansonsten wohl zu einer riesigen Verwirrung und vielen Unfällen führen würde. Am Rollfeld müssen wir wieder einen Stop einlegen, da gerade eine Maschine der Royal Air Force startet. Kaum 10 Minuten später sind wir wieder am Yachthafen angekommen, wo unser Wohnmobil schon auf uns wartet. Zum Abschied sehen wir den Felsen von Gibraltar noch einmal im goldenen Licht erstrahlen, als die Sonne am Abend untergeht und wir genüsslich eine Pizza aus der Pfanne essen. Mal schauen wie das künftig in Gibraltar hinsichtlich des Brexit so werden wird. Ein Sprichwort besagt aber: „Solange Gibraltars Affen die Felsen bevölkern, werden Briten Gibraltar bevölkern.“ Na dann ist ja alles in Butter! Thank you Gibtaltar for a wonderful day! 

Tag 248 bis 249 - Ab in die andalusischen Berge

12. - 13. Januar 2019

Nachdem wir uns die letzten Tage vermehrt an der Küste aufgehalten haben, führt uns unser Weg nun zunächst in das Hinterland Andalusiens. Die Straßen sind hervorragend ausgebaut und so dauert es nicht lang, bis wir zum ersten mal unser nächsten Etappenziel, das kleine Dorf Casares, am Horizont entdecken. Majestätisch thront es über den Bergen der Sierra Crestellina. 

 

Die Sierra Crestellina wurde 1989 zum Naturschutzgebiet erklärt und erstreckt sich über 478 Hektar. Besonders auffällig sind die mittelhohen Berge und die schroffen Gebirgskämme, denen die Sierra auch ihren Namen verdankt. Hier soll es super schöne Wanderungen geben und auch wir werden uns davon überzeugen. Zunächst fahren wir aber unseren Stellplatz für die kommenden 2 Nächte an und sind auch hier nicht alleine. Vom Parkplatz aus hat man eine super schöne Sicht auf das Dorf, welches sich in 2 Kilometern Entfernung befindet. Nach einem kleinem Mittagessen machen wir uns auf den Weg nach Casares. Der Ort gehört ebenso zu den „Pueblos Blancos“, den weißen Dörfern Andalusiens. Spektakulär erhebt sich die Silhouette der Burg Mudéjar aus dem 15. Jahrhundert und sticht aus dem Ortsbild hervor.

 

Casares verdankt seinen Namen der Legende zufolge Julius Cäsar. Der römische Heerführer entdeckte ganz in der Nähe des Ortes die Baños de la Hedionda. Heilende Quellen mit schwefel- und magnesiumhaltigem Wasser. Obwohl der Ortskern von Casares arabischen Ursprungs ist und laut archäologischen Funden bis ins Jahr 1000 v. Chr. zurückgeführt wird, ist die Bevölkerung stolz mit Julius Cäsar in Verbindung gebracht zu werden.

 

Der Ortskern ist schön anzusehen aber zu dieser Jahreszeit doch etwas verschlafen. Hier ticken die Uhren eben langsamer. Wir lassen uns darauf ein und schlendern entspannt durch die kleinen weißen Gassen bis hinauf zum höchsten Punkt der Stadt. 430 Meter über dem Meeresspiegel liegt das malerische Dorf und bei klarem Wetter kann man sogar einen Blick auf Afrika und Gibraltar werfen. Wir haben Glück und erblicken den Fels von Gibraltar und im Hintergrund die Berge Marokkos, wow was für eine Aussicht. 

 

Nach einer ruhigen aber kalten Nacht steht am nächsten Tag eine 12 Kilometer lange Rundwanderung zum Mirador de la Casalba an. Nach ca. einer Stunde und 350 überwundenen Höhenmetern erreichen wir den herrlichen Ausblick. Über uns kreisen unzählige Gänsegeier - ein unglaublich beruhigender und majestätische Anblick. Das Wandergebiet hier ist weit verzweigt und wirklich sehr gut ausgeschildert. Da die Berge der Sierra Crestellina eher mittelhoch sind, ergeben sich immer wieder tolle 360 Grad Aussichten. Wer also ungestörte Ruhe und tolle Weitblicke auf einer Wanderung in mitten traumhafter Natur sucht, ist hier genau richtig. Wir haben die Umgebung in vollen Zügen genossen.

Tag 250 - Ronda, Andalusiens romantischste Stadt?

14. Januar 2019

Adiós Casares - Hola Ronda. Wir sind nun seit 250 Tagen on the Road und schlängeln uns gerade eine aussichtsreiche Panoramastraße entlang. Die A-369 ist hervorragend ausgebaut und führt uns von Casares nach Ronda. Immer wieder gibt es kleine Parkbuchten mit traumhaften Ausblicken über die Berge bis hin zum Meer und nach Marokko. Es ist noch relativ früh am Morgen als wir aufbrechen. Die Sonne wirft gerade ihre ersten Strahlen über die Bergkuppen und lässt die Natur erstrahlen. Schon von weitem können wir viele  weiße Punkte in Mitten der Landschaft ausmachen. Die Pueblos Blancos (weiße Dörfer) werden meist 2 mal im Jahr mit Kalk geweißt und mancherorts wird dies sogar per Gemeindegesetz vorgeschrieben. Die Dörfer sollen für seine Besucher besonders hübsch daher kommen und den Wettbewerb der schönsten weißen Dörfer mag wohl jede Gemeinde gern gewinnen. Aber nicht nur die Schönheit zählt - Kalkfarbe hat den überaus großen Vorteil das Sonnenlicht zurückzustrahlen, so dass sich die Häuser im Sommer weniger erwärmen und es innen schön kühl bleibt. So stehen die Häuser dicht an dicht und geben eingebettet in die Natur mal wieder ein wunderbares Bild ab.

 

Heute steht die Stadt Ronda auf unserem Erkundungsplan. Etwas außerhalb der Stadt checken wir auf einem Campingplatz ein und düsen schon ein wenig später mit unseren Rädern die gesamte Strecke in Richtung der Kleinstadt bergab. Genau in diesem Moment graut es uns schon vor dem Rückweg. 

Die Stadt teilt sich in zwei Viertel: die Innenstadt, bei der es sich um den alten Teil handelt und die sich in Richtung Süden erstreckt und „El Mercadillo“, bei dem es sich auch um einen alten Teil der Stadt handelt, der jedoch durch moderne Gebäude verändert wurde. Die Stadt erhebt sich auf einer felsigen Anhöhe, die vom der Schlucht „El Tajo“ des Flusses Guadalevín mit 160 Meter Tiefe in zwei Teile geteilt ist. Früheste Spuren einer Besiedlung der Region stammen bereits aus der Altsteinzeit. Rund 20 km südwestlich der Stadt ist die Cueva de la Pileta zu finden, eine rund 2 km lange Höhle mit Höhlenmalereien, die auf die Zeit zwischen 18.000 und 15.000 Jahren v. Chr. datiert wurden. Im 1. Jahrtausend v. Chr. siedelten Iberer und Kelten in der Region, die auch Handelsbeziehungen zu den Phöniziern und Griechen unterhielten. Für Spanier ist Ronda insbesondere wegen seiner Rolle in der Entwicklung des Stierkampfes von Bedeutung. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelten hier drei Generationen von Mitgliedern der Familie Romero jene Regeln, nach denen auch heute noch gekämpft wird – vom Gebrauch des Tuches, dem Kampf des Toreros nicht mehr zu Pferd, sondern zu Fuß, bis hin zu Stil und Posen.

Ronda hat schon bedeutende Literaten wie Rainer Maria Rilke und Ernest Hemingway mit ihrem Zauber verführt. Als Inspiration stand Ronda auch zu der am meisten gespielten Oper „Carmen“, was wirklich nicht verwunderlich ist, da die Atmosphäre der Stadt nicht nur Poeten ins Schwärmen bringt. Hier steht auch eine der ältesten und am besten erhaltenen Stierkampfarenen des Landes. Die Stadt besticht zudem durch die wunderschöne Altstadt sowie die direkte Lage an der Schlucht. Diese großartige Kulisse wollen wir auch aus der Vogelperspektive einfangen uns lassen die Drohne steigen. Ein paar Minuten später landet sie wieder sicher und ein paar Schaulustige Japaner haben sich zu uns gesellt. Wir erkunden noch die Altstadt zu Fuß, machen eine Kaffeepause mit Churros im Café und schwingen uns am späten Nachmittag wieder aufs Rad um den anstrengenden Rückweg anzutreten. Da die Rückstrecke nur bergauf geht, kommen wir mit leicht erröteten Gesichter wieder am Womo an und machen uns einen gemütlichen Abend. Ob Ronda nun wirklich die romantischste Stadt Andalusiens ist, muss jeder selbst für sich entscheiden. Einen Besuch ist die Stadt auf jeden Fall wert, wir bevorzugen aber lieber die kleine weißen Bergdörfer, welche noch etwas ursprünglicher daherkommen und vom Tourismus nicht so überlaufen sind.

Tag 251 bis 253 - Über Grazalema nach Zahara de la Sierra und Algodonales

15. - 17. Januar 2019

Unsere Tour durch Andalusien führt uns weiter ins Landesinnere. Wieder sind wir auf einer herrlichen Panoramastraße (A372) unterwegs und erreichen nach nur wenigen Fahrminuten den kleinen Ort Grazalema. Das kleine weiße Dörfchen kommt sehr verschlafen daher und bietet kaum Parkmöglichkeiten für Wohnmobile an. Auf Grund dessen entscheiden wir uns weiterzufahren und verzichten auf eine längere Erkundung der Ortschaft. 

Die Sierra de Grazalema, in welcher wir uns aktuell befinden, ist ein typisches Kalksteingebirge und auf Grund der Lage die erste Hürde für vom Atlantik landeinwärts ziehende Wolken, die hier aufsteigen und sich abregnen. Der zentral im Gebiet gelegene und namensgebende Ort Grazalema ist der regenreichste Ort Spaniens. Das Gebiet ist für Andalusien außerordentlich grün und reich an Vegetation. Immer wieder ziehen am Himmel unzählige Gänsegeier vorbei, welche hier eine der größten Brutkolonien Europas besitzen. Aber nicht nur für Naturliebhaber, sondern auch für Wanderer und Gleitschirmflieger ist diese Region ein wahres Highlight. In diesem Sinne grüßen wir ganz lieb Christiane und Stephan, welche ebenso der Leidenschaft des Paragleitens frönen und uns begeistert von ihrem Hobby berichtet haben. 

Nachdem wir in Zahara de la Sierra eine kleine Runde mit der Drohne geflogen sind und diese Aufnahme einfangen konnten, kommen wir entspannt in Algodonales, unserem Stellplatz für die nächsten Tage, an. Heute werden wir nach 2 Wochen unsere Ösis wiedersehen und die Wiedersehensfreude ist groß als die Drei treffen. Am Folgetag machen wir gemeinsam eine 10 KM lange Wanderung und überwinden 600 Höhenmeter vom Ort Algodonales zum Mirador del Poniente. Oben am Berg angekommen treffen wir auf unzählige Paragleiter, welche gemeinsam mit den Gänsegeiern ihre Runden ziehen - was für ein Bild! Am Nachmittag kommen wir erschöpft aber überglücklich an unserem Womo an und lassen den Tag gemeinsam ausklingen. 

Tag 254 - Caminito del Rey

18. Januar 2019

Der so genannte Königspfad  in der Nähe von Ardales führt in etwa 100 Meter Höhe entlang steiler Wände durch bis zu 200 Meter tiefe und schmale Schluchten. Er war lange Zeit verfallen und gesperrt und wurde in dieser Zeit in der Presse als der gefährlichste Weg der Welt bezeichnet. Doch heute ist die fast 8 Kilometer lange Route komplett wiederhergestellt sowie befestigt und wurde sogar für die Erhaltung von Kulturerbe mit dem Europa-Nostra-Preis ausgezeichnet. Doch auch wenn sie jetzt sicherer ist, gibt es doch eine Sache, die sich nicht geändert hat: die einmalige Erfahrung über Stege zu gehen, welche über unfassbar hohe Schluchten gebaut wurden.

 

Der Wanderweg wurde einst errichtet, weil die Gesellschaft des Wasserkraftwerks El Chorro, Eigentümer der Talsperren Gaitanejo und Chorro, Zugang zu eben diesen beiden Talsperren brauchten, um diese instand zu halten. Im Jahre 1901 begannen die Arbeiten, zunächst für einen Pfad auf Planken. 1905 war er fertig. Nach und nach wurde der Weg mit Beton und Eisenarmierungen befestigt. Der Weg begann direkt neben den Bahnschienen von Renfe, führte über die Gaitanes Schlucht und erleichterte somit die Verbindung beider Seiten. Um dieses großartige Bauwerk einzuweihen, kam 1921 der König Alfonso XIII. zur Talsperre Conde del Guadalhorce und überquerte den zuvor angelegten Weg. Von diesem Moment an begannen die Leute den Weg Caminito del Rey (der Königspfad) zu nennen, den Namen, den dieser bis heute trägt. Die Bewohner der Nachbardörfer nutzten fortan den Weg tagtäglich: die Kinder als Schulweg, die Männer zur Arbeitsstätte, die Frauen bei Einkäufen. Nachts war der Caminito beleuchtet, Reste der Laternen sind noch heute zu finden - Wahnsinn!

 

Durch Witterungseinflüsse und wegen des weichen Sandsteins verfiel der Weg, an manchen Stellen fehlten die Betonplatten und nur noch rostige Stahlträger blieben übrig. Nachdem 1999 und 2000 insgesamt vier Menschen starben, schloss die Lokalregierung 2001 den Weg und baute Anfang und Ende ab. Trotzdem war das Betreten weiterhin durch einen älteren Steig möglich. Nur stark gesichert und mit viel Mut und Erfahrung konnte der Weg noch begangen werden. Auf dem oberen Bild kann man Teile des verfallenen Weges noch gut erkennen. Im Jahre 2006 verabschiedete die Regionalregierung einen Plan zur Wiederherstellung eines Weges durch die Schlucht. Im Frühjahr 2014 begannen die Arbeiten und wurden Anfang 2015 abgeschlossen. Der neue, gesicherte Wanderweg verläuft oberhalb des alten Steges und ist weniger gefährlich aber nicht ansatzweise weniger beeindruckend.

 

Lange haben wir auf diesen Tag hingefiebert und freuen uns wie kleine Kinder, als wir endlich unsere Schutzhelme aufsetzen können und unsere Wanderung starten. Aber Eins nach dem Anderen. Bevor wir die Wanderung beginnen, mussten wir uns Zeittickets für diese online bestellen. Der Zugang ist auf 600 Personen am Tag streng begrenzt und auch an gewisse Zeiten muss man sich halten. Wir buchen das Ticket für 11.00 Uhr inkl. Busrücktransport zum Parkplatz für 11.55 Euro pro Person. Nicht ganz günstig aber wenn man bedenkt, welcher Aufwand betrieben werden musste um den Weg wiederherzustellen, doch gerechtfertigt. 

 

Wir verlassen also um 7.00 Uhr und noch im dunklen unseren Übernachtungsplatz in Algodonales und fahren ca. 1,5 Stunden durch die Nacht zum Parkplatz am Nordeingang des Caminito del Rey. Wir sind die allerersten und mal wieder viel zu früh da. Aber das kennen wir ja schon von uns und genießen erst einmal ein leckeres Frühstück. Kurz nach 9.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Eingang und können mit etwas Glück schon eine Stunde eher mit unserer Wanderung beginnen. Nur noch schnell die Haarnetze und die Schutzhelme aufsetzen, an drei geführten Gruppen vorbeischlängeln und los geht es. Vor und hinter uns ist kein Mensch und der Weg gehört uns…jippiiii.

 

Der Weg führt an steil abfallenden Felswänden an den zwei Schluchten entlang. Immer wieder ergeben sich traumhafte und beeindruckende Aussichten. Bei dem Blick auf den alten Weg, welcher direkt unterhalb des neuen Weges verläuft, wird uns allerdings schnell übel. Kein Wunder das es hier so viele tödliche Unfälle gab. Die Route durch die Felsschluchten ist nicht anstrengend weder gefährlich. Es sind die Ausblicke, welche diese Strecke so besonders machen. Fast am Ende des Weges geht es noch über eine kleine Hängebrücke direkt über die 200 Meter tiefe Schlucht. Beim Wippen der Brücke wird uns ganz schön mulmig. Nach ca. 2 Stunden kommen wir am Bus an, welcher uns zurück zum Parkplatz bringen wird. Eine tolle Erfahrung, welche wir sehr gerne weiterempfehlen.

Müde und noch etwas traurig fallen wir am Abend ins Bett. Am Abend zuvor mussten wir uns von Louise, Thomas und Felix verabschieden. Fast 3 Monate lang sind wir immer wieder gemeinsam gereist, an der Küste oder in den Bergen zusammen gewandert, haben gemeinsam gekocht, Weihnachten und Silvester zusammen verbracht und so viele schöne Momente miteinander geteilt. Die Drei sind uns sehr an Herz gewachsen und so ist der Abschied am Abend zuvor nicht einfach. Sören´s Mama sagt immer, es sind die Menschen auf die man trifft, welche solch eine Reise zu etwas Besonderen machen. Für die Drei geht es nun in Richtung Marokko und wir senden auf diesem Weg einen Schutzengel, welcher stets über die kleine Familie wachen soll - es war schön mit Euch, passt auf Euch auf!

Tag 255 bis 257 - An der Küste Andalusiens

19. - 21. Januar 2019

Gestern noch in den Bergen und heute schon wieder am Meer. Nach unserer Wanderung durch die Schluchten des Caminito del Rey wollen wir die Sonne am Meer genießen und suchen uns einen Übernachtungsplatz - gar nicht so leicht was hübsches zu finden, da sich hier die Campingreisenden mal wieder tummeln. Wir finden dann aber doch noch was nettes und bleiben für 2 Tage. Doch die sportliche Betätigung darf natürlich nicht fehlen und so schnappen wir uns unseren Fußball, bolzen ein wenig und spielen Basketball. Nachdem wir wieder für die nächsten Freistehtage vorgekocht haben, geht es dann für uns zu den Tropfsteinhöhlen von Nerja, als Ausgangspunkt für unsere nächste geplante Wanderung. Anfangs ist aber irgendwie der Wurm drin, da wir den Startpunkt einfach nicht finden können. Nach 3 Versuchen und eine halbe Stunde später finden wir ihn dann aber doch noch und es geht 2 Stunden stetig durch den Barranco bergauf. Am höchsten Punkt unserer Wanderung steht ein altes verlassenes Haus und wir machen auf der ehemaligen Terrasse eine Pause. Es ist so still hier. Nur der Wind zieht mit einem leisen Zischen an uns vorüber. Die Sonne scheint, ein paar Wolken türmen sich auf und ein kurzer Schauer zieht durch die Berge, so dass ein Regenbogen entsteht. Einfach herrlich! Die Täler der Schluchten sind so wunderbar grün, im Hintergrund das blaue Meer und ein weißes Dorf. Was für ein angenehmes Farbspiel. 

 

So anstrengend es auch manchmal bergauf ist, so sehr geht es bergab wieder in die Knie. Und so kommen wir nach insgesamt 4 Stunden und 13 Kilometern wieder am Parkplatz an und begeben uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Je später man am Tag damit anfängt um so schwerer gestaltet sich das meist, da schon viele Freistehplätze belegt sind. Schließlich werden wir dann aber doch noch im Ort Cala des Perro fündig. Wir tun einfach mal so als hätten wir das Camping-Verbots-Schild nicht gesehen und gesellen uns zu 2 anderen Wohnmobilen. Doch in der Nacht wird es ordentlich windig, so dass wir alle paar Stunden aufwachen. Dies hat aber auch was Gutes, denn so können wir den genialen Blutmond am Himmel aus der Dachluke heraus bestaunen. Am nächsten Morgen begeben wir uns zunächst zum allzeit geliebten Lidl und füllen unsere Vorräte auf. Danach finden wir direkt am Playa Granada Golfplatz einen herrlichen Stellplatz zwischen Palmen, gut gepflegtem Golfrasen und einem wohltuenden Blick aufs Meer. Hier werden wir 2 Tage Rast machen bevor es wieder etwas in die Berge geht. 

Tag 258 bis 261 - Granada, Alhambra & Tabernas 

22. - 25. Januar 2019

Das ist wirklich heftig...der Wind bläst so stark, dass es gerade die Seitenspiegel während der Fahrt angeklappt hat. Der Regen prasselt gegen die Windschutzscheibe und unser Womo stemmt sich mit aller Kraft gegen den Wind den Berg hinauf. An der Küste war es noch recht gemütlich, doch hier auf ca. 730 Metern sieht es heute ganz anders aus. Es ist eine beeindruckende Fahrt am Rande der Sierra Nevada entlang. Unten die Palmen am Meer und hier die vom Schnee weiß getupften Gipfel. Und mitten drin - die Stadt die nach der Frucht des Granatapfels benannt sein soll - Granada!

 

Gelegen zwischen den Flüssen Darro und Genil, befindet sich eine der interessantesten Städte des östlichen Andalusiens. Der Umstand, dass sie die letzte Stadt war, die 1492 durch die Katholischen Könige zurückerobert wurde, verleiht Granada ein unverwechselbares arabisches Flair. In ihrer Gastronomie, ihrem Kunsthandwerk und ihrem Stadtbild erkennt man deutlich die Spuren ihrer glorreichen Vergangenheit.

 

Wie in fast allen Städten so üblich, werden wir auch hier 2 Tage auf dem Campingplatz Reina Isabel verbringen. Direkt vor der Tür fahren die Busse in die Stadt ab. Einen genauen Fahrplan mit Abfahrtszeiten gibt es hier nicht. Der Bus ist da, wenn er da ist! Auch Informationen an den Haltestellen gibt es hier nicht, man muss schon wissen wo man hin will. Wir haben es aber glücklicherweise einfach und steigen an der Endstation aus. Von hier aus bahnen wir uns unseren Weg durch die Stadt. Im Herzen von Granada liegt die Kathedrale und gäbe es die Alhambra nicht, wäre diese sicher die wichtigste Sehenswürdigkeit von Granada. Mit dem Bau wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Königin Isabella begonnen, an demselben Ort, an dem sich einst die Hauptmoschee der Stadt befand. Leider haben wir keine Eindrücke aus dem inneren der Kirche sammeln können, da pro Person ein Eintritt von 5 Euro aufgerufen wird und wir das doch etwas übertrieben finden.  

 

Die quirligen Gassen hinter der Kathedrale und rundherum sind ein Sinnbild für die arabische Kultur der Stadt. La Alcaiceria nennt sich der kleine und bunte arabische Markt, welcher sich direkt neben der Kirche befindet. Hier findet man verschiedenen Krimskrams, Souveniers, aber auch hochwertiges Kunsthandwerk sowie Gewürze, welche schon von Weitem ihren Duft verstreuen. In der Gasse La Alcaicería war früher der arabische Seidenmarkt angesiedelt. 

 

Vorbei an allerhand Geschäften, Bodegas und Flamencostuben laufen wir stets bergauf zum Aussichtspunkt Mirador de San Nicolás. Hier tummeln sich allerhand Künstler die auf ihren Gitarren spanische Rhythmen spielen, es wird Schmuck hergestellt und Bilder werden gemalt - wir genießen einfach den Blick auf die Stadt und auf die sagenumwobene Alhambra. Nun stehen wir gar nicht mehr weit entfernt von der Hauptattraktion Granadas, es trennt uns nur noch das dazwischen liegende Tal. Im Jahre 1984 wurde Alhambra zum Weltkulturerbe ernannt und gilt seitdem als meist besuchte Touristenattraktion Europas. Jedes Jahr besuchen mehr als 2 Millionen Menschen die Alhambra.

 

Die Kala al hambra (arabisch für Rote Burg) ist bis in unsere Zeit erhalten geblieben und gilt als Höhepunkt islamischer Baukunst. 250 Jahre residierten hier die Nasridenkönige, ehe sie die Alhambra im Zuge der christlichen Rückeroberung an die Katholischen Könige übergeben mussten. Die Gärten und Bauten der islamischen Herrscher gelten als schönste Zeugnisse der maurischen Baukunst in Europa. Schlanke Säulen und phantasievolle Stuckverzierungen prägen die Bauten, harmonische Pflanzungen und Wasserspiele die Gärten. Der Spaziergang durch die Anlagen der Alhambra ist wie ein Märchen aus 1001 Nacht. 

 

Und auch wir begeben uns auf Entdeckungstour durch die einzelnen Höfe, Gärten und Räumlichkeiten. Gerade die reich verzierten Kuppeln und Säulen sind wahre Meisterwerke. Handwerkskunst in Form von Schnitzereien und Steinarbeiten verleihen dem Ganzen das orientalische Flair im Sinne der islamischen Kunst. Gute 3 Stunden wandeln wir durch die mindestens 100.000 Quadratmeter große Anlage, welche sich in 3 Teilen unterscheidet. Die Alcazaba ist der älteste Teil der Alhambra in der der Sultan bis zu Fertigstellung der Nasridenpaläste wohnte. Im Generalife vereinten sich Gärten und Architektur und galten als Erholungsgebiet der Nasridensultane. Das Herzstück der Alhambra bilden die Nasridenpaläste in welchem sich der Regierungssitz sowie die Privaträume der maurischen Herrscher befanden. Leider gibt es keinerlei Beschilderung, so dass wir uns die Informationen zur Geschichte und Kultur im Nachhinein selbst einholen. Aber so können wir uns während der Besichtigung voll und ganz auf das Bestaunen der Bauwerke konzentrieren. Vor einem Besuch sollte man unbedingt die Tickets online vorbuchen. Für die Besichtigung der Nasridenpaläste werden spezielle Zeiträume zugewiesen, welche nicht veränderbar sind. 

 

Unser Besuch von Granada neigt sich nach 16 Kilometern Laufweg durch die Stadt langsam dem Ende entgegen und auf der Busfahrt zum Campinglatz ziehen wir folgendes Fazit für uns: sollte Granada auf dem Weg eines Reisenden durch Spanien liegen, ist es auf jeden Fall einen Besuch wert. Wenn sich aber jemand für ein verlängertes Wochenende extra in den Flieger setzen möchte, dann schlägt unser Herz auf jeden Fall mehr für Sevilla. Ein Besuch des Real Alcazar ist auf jeden Fall gleichwertig und hat uns in diesem Fall sogar besser als Alhambra gefallen. 

 

Westernhagen, Andreas Gabalier und Johannes Örding begleiten uns einen Tag später auf unserer Panoramafahrt entlang der Berge der Sierra Nevada in Richtung Tabernas. Ganz hoch oben liegt Schnee auf den Gipfeln, der Himmel ist strahlend blau und ab und zu zieht eine Schäfchenwolke vorbei. Zwischen den hohen Bergen und Schluchten tauchen plötzlich riesige freie Flächen auf und wir erkennen eine wahnsinnige Ähnlichkeit mit Arizona. Kilometerlange Straßen die kerzengerade durch eine Art Steppenlandschaft führen - der Wahnsinn. Es kommen so viele tolle Erinnerungen an unsere Zeit in den USA auf. Angekommen in Tabernas suchen wir uns einen Stellplatz in Mitten der der vergessenen Wüste Europas.

 

Es ist ein Ort wie kein anderer in Spanien. Und angesichts der von der Sonne erbarmungslos versengten Erde könnte man meinen, in Afrika zu sein - doch dieses Fleckchen Erde zählt durchaus noch zu Europa. Mit ihren ockerbraunen und weißen Farbtönen bietet die Wüstenregion der Tabernas in Südspanien ein atemberaubendes Bild mit beeindruckenden Farben und spektakulärer Tierwelt. Schroffe Steilhänge, trockene Täler, scharfkantige Schluchten und heiße Ebenen -  280 Quadratkilometer einsame Schönheit, welche uns direkt in ihren Bann zieht. Im Sommer werden hier gut und gern Temperaturen jenseits der 40 Grad gemessen. Durchschnittliche Niederschlagsmengen unter 250 mm und mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr, machen die Wüste zur heißesten und trockensten Region auf dem Kontinent. Wo es heute so trocken ist, konnte man sich einst vor Wasser gar nicht retten da die Wüste von Tabernas ein ehemaliger Meeresgrund ist. Mit sinkendem Meeresspiegel lagerten sich Sand, Ton und Schlamm in einem Sedimentbecken ab - wir sind begeistert. 

Wir wollen die Stille hier in vollen Zügen genießen und suchen uns einen Stellplatz weit weg von allem Leben. Mitten in der Steppe finden wir ein ruhigen Fleck für die Nacht. Über uns ziehen Adler ihre Kreise und am Horizont geht langsam die Sonne unter. Mit Einbruch der Dunkelheit wird es mucksmäuschenstill und wir verbringen hier einen Nacht unter sternenklarem Himmel - ein tolles Erlebnis für alle die, die Abgeschiedenheit lieben und absolute Stille genießen können.  

Tag 262 bis 264 - 3 Tage Pause am Meer

26. - 28. Januar 2019

Nach den intensiven letzten Tagen begeben wir uns zunächst wieder zurück an die Küste und wollen dort für 2-3 Tage eine kleine Pause einlegen. Die Fahrt von Tabernas führt uns an endlosen Plastikzeltstädten oder auch Gewächshausstädten inmitten schönster Natur vorbei. Nicht weit davon befinden sich die ärmlichen Behausungen der Erntehelfer, puh da müssen auch wir erst einmal durchatmen. Aber klar irgendwo müssen die Südfrüchte in unseren Supermärkten ja kostengünstig angebaut werden - wir wissen jetzt wo und es macht uns ein wenig nachdenklich.

Unser Weg führt uns weiter vorbei am Cabo de Gata immer an der Küste entlang in Richtung Mojacar. Kurz vor dem kleinen Örtchen finden wir einen schönen Platz für die kommenden Tage. Wir wandern an der Küste entlang, spielen Karten oder Kniffel, erledigen Büroarbeiten, sammeln Muscheln und genießen auch einfach mal den Moment. Das Wetter hier im Süden ist mit 20 Grad am Tag noch wunderbar warm und auch die Nächte sind sehr mild. Natürlich machen wir uns auch langsam Gedanken wie es für uns nach der Reise weitergeht, eine spannende Zeit und wir genießen die gemeinsamen, intensiven Gespräche. Es ist sehr schön, dass man nach solch einer langen Zeit auf engstem Raum noch immer jede gemeinsame Minute genießt und sich schätzt. Wir schreiben nach wir vor unsere eigene Geschichte und sind sehr dankbar für diese Möglichkeit. Das Leben ist eben zu kurz für irgendwann!

Tag 265 bis 267 - Cartagena, 3.000 Jahre Geschichte

29. - 31. Januar 2019

Kaum zu glauben, aber bereits vor 50.000 Jahren lebten Neandertaler im Gebiet der heutigen Stadt Cartagena. Der Fund von farbig bemalten Muschelschalen in der Kalksteinhöhle "Cueva de los Aviones" belegt diese Tatsache - Wahnsinn!

Die idyllische Hafenstadt zählt zu den ältesten Siedlungen an der spanischen Mittelmeerküste. Fünf Hügel markieren das historische Zentrum der Stadt Cartagena in der Region Murcia, die zusammen mit dem natürlichen Hafen sowie den dicken Festungsmauern ideale Bedingungen für Handel und Schutz der Reichtümer boten. Im Jahre 227 v. Chr. landeten die Karthager unter der Führung von Hasdrubal in Cartagena und gründeten die heutige Stadt. 18 Jahre später eroberten die Römer das Gebiet, gefolgt von den Byzantinern und Arabern, die allesamt das reiche Erzvorkommen sowie die strategische Lage des Hafens nutzten und damit für wirtschaftliche Blütezeiten sorgten. Dazu kamen die Silber- und Erzminen in der Umgebung, die zusätzliches Geld und Waren für den Export einbrachten. Iberer, Phönizier und Römer prägten die antike Geschichte von Cartagena. 3000 Jahre Stadtgeschichte sind eine lange Zeit in der vieles einfach im Boden verschwindet, überbaut und so vergessen wird.

 

In Cartagena lief es ebenso wie in zahlreichen anderen mit historischen Bauten gesegneten Orten. Was von der alten Bausubstanz zu gebrauchen war, fand Verwendung in neuen Bauwerken. Alles andere wurde überbaut. Ein Großteil der aus der Römerzeit stammenden Bauwerke liegt für immer unter den Gebäuden der modernen Stadt begraben. Und so war es eine Sensation, als im Jahre 1988 bei Bauarbeiten für ein Einkaufszentrum, direkt neben der im spanischen Bürgerkrieg zerstörten Kathedrale, die Ruinen eines römischen Theaters entdeckt wurden. Das im Jahre 44 v. u. Z. erbaute Teatro Romano bot Platz für bis zu 7.000 Menschen und zählt damit zu den größten auf der iberischen Halbinsel. Bis zu diesem Zeitpunkt lag das Theater unter Schutt begraben und keiner ahnte, welches Schmuckstück sich hier versteckte.  

 

Auch wir beginnen unsere Besichtigung auf dem Aussichtspunkt des Castillo de la Concepcion, von welchem man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt und natürlich auch über das Teatro Romano hat. Im Hafen liegen riesige Segelyachten und wo vor wenigen Wochen  noch die größte Segelyacht der Welt eines russischen Oligarchen lag, liegt heute die drittgrößte Segelyacht, ebenso von einem gut betuchtem Russen.

 

Wir verlassen die Aussichtsplattform und laufen entlang des Theaters hinunter in die Altstadt. Schon von weiten erblicken wir den Palacio Consistorial. Dieser wurde zwischen 1900 und 1907 erbaut und ist von der französischen Architektur inspiriert. Die Fassade besteht aus Marmor aus Macael, dem berühmten Steinbruch von Almería. Der Eingangsbereich ist öffentlich begehbar, bietet einen historischen Treppenaufgang und im Erdgeschoss gibt es abwechselnde Ausstellungen. Wir schlendern durch die Innenstadt an den viele schönen alten Hausfassaden vorbei, welche erahnen lassen, dass Cartagena eine lange Geschichte hat. Neben dem Grand Hotel de Cartagena und einigen sehenswerten Museen bietet Cartagena einen eher überschaubaren Altstadtkern und nach 2 Stunden sind wir auch schon durch. Der Hafen lädt allerdings zum verweilen ein und da die Sonne scheint, gönnen wir uns noch ein leckeres Eis bevor es zurück zum Stellplatz geht. 

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